Risiko von Bankenkrise viel geringer als vor zehn Jahren

Thema der Woche vom 11. September 2018

Setzt man die Bilanzsummen der Banken ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Heimatlandes, wird deutlich, welches Gewicht der Bankensektor in der Schweiz hat.

Quelle: SNB

"Too big to fail" – in der Schweiz deutlich ausgeprägt

Setzt man die Bilanzsummen der Banken ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Heimatlandes, wird deutlich, welches Gewicht der Bankensektor in der Schweiz hat.

Quelle: SNB

Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers gilt als Urknall der Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008. Auslöser war eine ungenügende Regulierung des Bankenmarktes. Die Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden mussten seitdem viel Lehrgeld zahlen. Doch heute sind die Risiken deutlich kleiner.

Als vor zehn Jahren, fast auf den Tag genau am 15. September 2008, die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz anmeldete, war den wenigsten Beteiligten wohl klar, welche Folgen dies für die Finanzmärkte und die Weltwirtschaft haben wird. Das Platzen der Immobilienblase in den USA – die sogenannte Sub-Prime-Krise – hatte zuvor bereits den Mitbewerber Bear Stearns sowie die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac in die Knie gezwungen. Beeilte sich hier die Bush-Administration noch, diesen Instituten mit finanzieller Hilfe unter die Arme zu greifen, um grösseren Schaden vom Bankenmarkt abzuwenden, liess sie bei Lehman Brothers entgegen dem Grundsatz des "too big to fail" eine systemrelevante Bank fallen.
 
An den Finanzmärkten löste dies einen Tsunami aus, dessen Schockwellen das Bankensystem weltweit kräftig durchschüttelte. Wegen der starken internationalen Verflechtung der Banken trocknete der Interbankenmarkt schlagartig aus. Dies hatte zur Folge, dass auch "gesunde" Banken in Schieflage gerieten und zu kollabieren drohten. In der Schweiz musste der Bundesrat und die Nationalbank am 16. Oktober 2008 der UBS zur Hilfe eilen.

Zu gross für Pleite
 
Auch andere Länder sahen sich gezwungen, hastig Bankenrettungsprogramme zimmern, um Schlimmeres zu verhindern. Denn einige Grossbanken können aufgrund ihrer Grösse und Marktstellung nicht Pleite gehen, weil sie eine "systemrelevante" Funktion für eine Volkswirtschaft haben. Fallen sie aus, kann diese Lücke nicht durch Mitbewerber geschlossen werden. Diese Banken sind "too big to fail". In der Schweiz zählen neben den beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse auch die Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen und Postfinance zu den systemrelevanten Banken.
 
Doch wie konnte es passieren, dass Banken so gross wurden, dass sich ein "Rettungszwang" für den Staat ergab? Warum hatten die Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden rund um den Globus keine geeigneten Vorkehrungen in diesem Bereich getroffen? Eine Antwort lieferte SNB-Vizepräsident Fritz Zurbrügg in einem in der letzten Woche an der Universität Luzern gehaltenen Referat: Die Risiken im Zusammenhang mit immer grösseren und immer stärker global vernetzten Banken wurden unterschätzt. Gleichzeitig wiegte man sich in falscher Sicherheit, die Risiken im Bankensystem mit ausgeklügelten statistischen Modellen genau erfassen und kontrollieren zu können (das vollständige Referat können Sie  hier nachlesen).
 
Grossbanken heute deutlich "wetterfester"
 
Nach der Finanzkrise beeilten sich die Verantwortlichen, die Versäumnisse bei der Regulierung nachzuholen. Wo stehen wir heute? Gerade in der Schweiz brennt diese Frage unter den Nägeln, da die "too big to fail"-Problematik hierzulande besonders deutlich ausgeprägt ist (siehe Grafik).
 
Wie Zurbrügg ausführte, wurde das Problem in der Schweiz von zwei Seiten angegangen. Einerseits seien Massnahmen definiert worden, um die Widerstandskraft systemrelevanter Banken zu stärken, insbesondere durch höhere Anforderungen an das Eigenkapital. In der Vergangenheit war dies die Achillesverse der Banken, denn diese Eigenmittel waren zu gering, um allfällige Verluste aufzufangen. Das zweite Massnahmenpaket zielt laut Zurbrügg darauf ab, Banken "abwicklungsfähig" zu machen. Damit soll ermöglicht werden, systemrelevante Player ohne grössere Auswirkungen auf die Volkswirtschaft in eine kontrollierte Insolvenz zu schicken.
 
Das Fazit von Zurbrügg: Die Schweizer Grossbanken und das Schweizer Bankensystem insgesamt sind heute deutlich wetterfester als vor zehn Jahren. Die Ziellinie sei jedoch noch nicht ganz erreicht.

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