Konjunktur in der Schweiz kühlt sich ab

Thema der Woche vom 5. März 2019

Im vierten Quartal ist die Schweizer Wirtschaft wieder gewachsen, nachdem es im dritten Quartal überraschend zu einem Rücksetzer gekommen war.

Quelle: Seco

Zurück auf Wachstumskurs

Im vierten Quartal ist die Schweizer Wirtschaft wieder gewachsen, nachdem es im dritten Quartal überraschend zu einem Rücksetzer gekommen war.

Quelle: Seco

Die Schweizer Wirtschaft ist im vierten Quartal wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt. Doch für absehbare Zeit dürfte die hohe Dynamik der letzten Quartale unerreichbar bleiben.

Das kann sich sehen lassen: In der Schweiz wuchs das Bruttoinlandprodukt (BIP) im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent, wie eine erste Hochrechnung des Staatssekretariats für Wirtschaft – kurz Seco – ergeben hat. Eine höhere Expansionsrate hatte die Schweizer Wirtschaft letztmals vor zehn Jahren an den Tag gelegt. Der Wermutstropfen: Das BIP-Wachstum wurde ausschliesslich im ersten Halbjahr erzielt. In der zweiten Jahreshälfte kam es zu einer Stagnation. Nachdem das BIP im dritten Quartal unerwartet gesunken war, waren kurzzeitig sogar Sorgen vor einer Rezession hochgekocht.
 
Dazu ist es nicht gekommen: Im vierten Quartal legte das BIP laut Seco um 0,2 Prozent zu (siehe Grafik). Zu dieser Steigerung gegenüber dem dritten Quartal trug massgeblich das verarbeitende Gewerbe bei, das den Löwenanteil des BIP erwirtschaftet. Hier erhöhte sich die Wertschöpfung um 1,5 Prozent, wobei sich insbesondere der wichtige Bereich Chemie/Pharma, auf den fast die Hälfte aller Exporte entfällt, wieder dynamisch entwickelt habe, streicht das Seco hervor. Aber auch das Segment der Uhren und Präzisionsinstrumente sowie die Nahrungsmittelindustrie hebt das Seco in diesem Zusammenhang als Wachstumstreiber hervor.
 
Schweizer Qualität gefragt – Sorgenkind Handel
 
Insgesamt profitierte das verarbeitende Gewerbe von einer starken internationalen Nachfrage nach Schweizer Produkten: Die Warenexporte nahmen um deutliche 5,6 Prozent zu, nachdem hier im dritten Quartal ein Rückgang um 4,1 Prozent verzeichnet wurde.
 
Erneut ein negativer Beitrag zum BIP kam im Bereich Dienstleistungen aus dem Handel (-0,6 Prozent), wo das dritte Quartalsminus in Folge registriert wurde. Das kommt allerdings nicht ganz unerwartet, steht die Branche doch bereits seit längerem unter starkem Konkurrenzdruck durch Online-Händler.
 
Investitionen gedrosselt
 
Aufhorchen lässt zudem, dass die Ausrüstungsinvestitionen erneut relativ deutlich zurückgegangenen sind (-1,1 Prozent im Q4 nach -1,9 Prozent im Q3). Das widerspiegelt die zuletzt gestiegene Unsicherheit in der Schweizerischen Unternehmenslandschaft angesichts der konjunkturellen Abkühlung im mit Abstand wichtigsten Absatzmarkt: der Eurozone. Hier wurde im vierten Quartal – ebenfalls wie in der Schweiz – ein schwaches BIP-Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnet.
 
Allerdings scheint das Bild nicht so trübe zu sein, wie die Seco-Daten vermuten lassen. Denn der von der Credit Suisse und dem Einkaufsfachverband Procure erhobene Einkaufsmanagerindex PMI stieg im Februar um 1,1 auf 55,4 Zähler. Das deutet auf eine anhaltende wirtschaftliche Expansion hin. Die Auftragslage präsentiere sich nach wie vor gut, hiess es.
 
Schwächere Dynamik in 2019
 
Für 2019 ist dennoch eher mit einer schwächeren Wirtschaftsdynamik zu rechnen. Das Seco beispielsweise veranschlagte für das laufende Jahr ein BIP-Wachstum von nur noch 1,5 Prozent. Einen ähnlichen Wert (+1,6%) sagt die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich KOF voraus. Beide Prognosen stammen allerdings von Dezember. Seitdem haben sich die Aussichten etwas eingetrübt. Eine aktuelle Prognose lieferte jüngst BAK Economics. Hier rechnen die Ökonomen gar nur noch mit einem Plus von 1,1 Prozent.
 
Spannend dürfte es in dieser Hinsicht am 21. März werden, wenn die Schweizerische Nationalbank (SNB) ihre neue BIP-Prognose bekanntgeben wird. Im Dezember hatte die SNB noch ein BIP-Wachstum für 2019 von "rund 1,5 Prozent" vorhergesagt. Eine Reduktion wäre insofern keine Überraschung, da die SNB bereits auf Abwärtsrisiken bei dieser Prognose hingewiesen hatte.

Seite empfehlen



Kopieren Sie den Link [ctrl + c] und fügen Sie ihn in ein E-Mail ein [ctrl + v]. Aus Sicherheitsgründen ist kein Versand von E-Mails direkt vom VZ Finanzportal möglich.


Das könnte Sie ebenfalls interessieren