Bremsspuren in Schweizer Wirtschaft

Thema der Woche vom 4. Dezember 2018

Im dritten Quartal ist die Schweizer Wirtschaft geschrumpft. Die letzten anderthalb Jahre hatte sie sich allerdings sehr dynamisch entwickelt.

Quelle: Bundesamt für Statistik

Die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts

Im dritten Quartal ist die Schweizer Wirtschaft geschrumpft. Die letzten anderthalb Jahre hatte sie sich allerdings sehr dynamisch entwickelt.

Quelle: Bundesamt für Statistik

Die Schweizer Wirtschaft hat sich in den Sommermonaten unerwartet deutlich abgekühlt. Das Schwächesignal darf aber nicht überbewertet werden.

Dass die Schweizer Wirtschaft die hohe Wachstumsdynamik der letzten Quartale nicht ewig beibehalten wird, davon war auszugehen. Doch dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im dritten Quartal 2018 schrumpfen würde, kam dann doch unerwartet. Konkret bildete es sich im Vergleich zum zweiten Quartal um 0,2 Prozent zurück, wie das Bundesamt für Statistik mitteilte. Der Konjunkturboom, der im ersten Quartal 2017 eingesetzt hatte, fand damit überraschend plötzlich ein vorläufiges Ende (siehe Grafik).
 
Für den Rücksetzer ist insbesondere der Bereich verarbeitendes Gewerbe verantwortlich, der traditionell den grössten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt beisteuert. Hier sank die Wertschöpfung um 0,6 Prozent. Dabei dürfte die konjunkturelle Abschwächung im wichtigen Absatzmarkt Deutschland – Stichwort "Dieseldelle" – einen gewissen Einfluss gehabt haben. Denn die dortige Autoindustrie kämpft mit den Folgen der Umstellung auf härtere Abgastests. Man muss sich allerdings auch vor Augen führen, dass das verarbeitende Gewerbe in der Schweiz in den letzten Quartalen sehr starke Wachstumsraten verzeichnet hatte. Der Rückgang geschieht also auf einem hohen Niveau und kann als eine Normalisierung der wirtschaftlichen Tätigkeit interpretiert werden.
 
Warenexporte schwach
 
Ins Auge sticht zudem der Rückgang aller Warenexporte um deutliche 4,2 Prozent. Hier zeigt sich, dass sich die Schweizer Wirtschaft dem Sog einer schwächeren Weltkonjunktur nicht entziehen kann. Immerhin deuten die Oktober-Zahlen zum Aussenhandel bereits auf eine starke Erholung hin, wie das Bundesamt für Statistik in der Mitteilung dazu festhält.

Bei der Wertschöpfung im Bereich Dienstleistungen macht sich weiterhin die angespannte Situation bei den Detail- als auch Grosshändlern bemerkbar, die vom Online-Geschäft und dem Einkaufstourismus unter Druck gesetzt werden.
 
Bremsspuren nicht überbewerten
 
Doch insgesamt sind die BIP-Zahlen alles andere als dramatisch. Denn wird das dritte Quartal mit dem entsprechenden Vorjahreszeitraum verglichen, resultiert noch immer ein eindrückliches Plus von 2,4 Prozent. Das macht deutlich, mit welchem Schwung die Schweizer Wirtschaft unterwegs war. Auf vergleichbarem Niveau schreitet derzeit nur die US-Wirtschaft voran, die von den Stimulierungsmassnahmen der Trump-Administration angefeuert wird. In Europa jedenfalls sticht die Schweiz mit dieser Quote heraus.
 
Die jüngsten Bremsspuren dürfen also nicht überbewertet werden. Und ein Abgleiten in eine Rezession ist nicht zu erwarten. Aber klar ist auch: Das Schweizer BIP-Wachstum dürfte in den kommenden Jahren tiefer ausfallen. Doch das ist ein globaler Trend.
 
Chefeinkäufer optimistisch
 
Weiterhin stark zeigt sich derweil die Stimmungslage unter den Schweizer Einkaufsmanagern. Der von der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit dem Einkaufsfachverband Procure erhobene PMI-Index ist im November sogar überraschend um 0,2 auf 57,7 Zähler gestiegen. Damit notiert einer der wichtigsten Vorlaufindikatoren der hiesigen Wirtschaft klar in der sogenannten Expansionszone. Und nicht nur das: Der Schweizer PMI notiert auch deutlich höher als die entsprechenden Indizes in Deutschland oder der Eurozone. Grund zur Sorge besteht also nicht.

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