Auf das Momentum kommt es an

Thema der Woche vom 7. August 2018

Wertentwicklung einer Strategie nach relativer Stärke im Vergleich mit Aktien Schweiz und Aktien Welt zwischen 2001 und 2017. Annahme der Anlagesumme: 100'000 CHF.

Quelle: Bloomberg

Das Relative-Stärke-Portfolio schneidet besser ab

Wertentwicklung einer Strategie nach relativer Stärke im Vergleich mit Aktien Schweiz und Aktien Welt zwischen 2001 und 2017. Annahme der Anlagesumme: 100'000 CHF.

Quelle: Bloomberg

Die kroatische Fussballnationalmannschaft schaffte es an der WM dank eines guten Laufs bis ins Finale. Hier spricht man auch von einem positiven Momentum. Ein solches Momentum lässt sich auch an den Finanzmärkten beobachten – und bei der Geldanlage nutzen.

Oft fehlen die Worte, wenn Aussenseiter gegen starke Gegner gewinnen. Experten sind dann häufig ratlos, denn allein aufgrund des Leistungspotenzials lässt sich der Sieg selten erklären. Zuletzt war das bei der Fussballweltmeisterschaft zu beobachten. Mit Kroatien hat es eine Mannschaft ins Finale geschafft, auf die vor dem Turnier kein Experte gesetzt hätte. Das Team profitierte von seinem Schwung und besiegte Gegner wie Argentinien und England, die als deutlich stärker eingeschätzt wurden. Die kroatische Auswahl nutzte ihren starken Lauf und baute von Spiel zu Spiel mehr Sicherheit und Selbstvertrauen auf.
 
Es gibt diverse Lebenssituationen, in denen sich solche anhaltenden Stärke- oder auch Schwächephasen beobachten lassen. Zum Beispiel an den Finanzmärkten. Steigt der Preis einer Anlage, wie beispielsweise einer Aktie, kann es sein, dass weitere Investoren diesen Titel kaufen und den Preis damit weiter in die Höhe treiben. Dadurch können Anlagen mit einer guten kurzfristigen Rendite auch zukünftig weiter gut laufen. Verkaufen Anleger hingegen eine Aktie, trennen sich weitere Investoren vom Titel, was den Abwärtsdruck erhöht.
 
Dieses Verhalten erscheint auf den ersten Blick unlogisch, denn auf einem "normalen" Marktplatz kaufen die Kunden weniger Äpfel, wenn die Preise steigen und umgekehrt. Wie im Sport spielt aber auch hier die Psychologie der Akteure eine entscheidende Rolle. Sind in dem einen Fall eine "mentale Stärke" und eine "hohe Motivation" die Ursache für den Erfolg, lassen sich an den Finanzmärkten ähnliche Beweggründe beobachten.
 
Aufwärtstrends sind widerstandsfähig
 
Anleger kaufen in der Regel eine Aktie, wenn sie davon überzeugt sind, dass der Kurs weiter steigt, wie Erkenntnisse der Behavioral Finance zeigen. Aufgrund dieses Verhaltensmusters kann ein Aufwärtstrend entstehen, der auch dann noch Bestand haben kann, wenn er durch Fundamentaldaten nicht mehr zu rechtfertigen ist. So sind starke Aufwärtstrends häufig relativ widerstandsfähig gegenüber schlechten Nachrichten. Deswegen können Aktien mit starker Kursentwicklung eine interessante Wahl sein, solange die Marktgegebenheiten nicht grundsätzlich ändern. Man spricht in diesem Zusammenhang von Momentum.
 
Demgegenüber stehen Systeme ohne Momentum. Dazu gehören beispielsweise Münzwurfe, wo die Wahrscheinlichkeit für Kopf und Zahl mit jedem neuen Wurf identisch ist. Denn der vorherige Wurf hat keinen Einfluss auf den nächsten Wurf.
 
Anlagestrategie mit relativer Stärke
 
Eine Möglichkeit, ein Trend bzw. ein Momentum zu erkennen, ist beispielsweise, den Kursverlauf während der letzten Monate zu vergleichen. So kann jeweils eine Rangliste derjenigen Anlagen erstellt werden, die im vergangenen Quartal sowie im vergangenen Monat die höchste Rendite erzielten und die tiefste Volatilität in den letzten vier Wochen vorwiesen. Anschliessend wird eine Gesamtrangliste erstellt. Wird nun in die besten Titel investiert, spricht man von einer Anlagestrategie mit relativer Stärke. Dieser Begriff wird oft mit Momentum gleichgesetzt.
 
Dass diese Anlagestrategie erfolgsversprechend sein kann, zeigt die Betrachtung ihrer Wertentwicklung: So hat ein auf relativer Stärke basierendes Aktienportfolio zwischen 2001 und 2017 deutlich besser abgeschnitten als der Schweizer Gesamtmarkt oder der Weltaktienmarkt (siehe Grafik; Details zum Relative-Stärke-Portfolio finden Sie hier).
 
Diese Anlagestrategie nach dem Prinzip der relativen Stärke lässt sich einfach und kostengünstig mit passiven Anlagefonds und Einzeltiteln umsetzen. Anlageentscheide sollten jedoch nicht ausschliesslich auf der Basis des Momentums getroffen werden. Dennoch liefert der Indikator wichtige und nützliche Hinweise, um Trends erkennen und richtig einschätzen zu können.
 
Anleger sollten sich bewusst sein, dass das Momentum einer Anlage nicht ewig anhält. Daher ist ein Risikomanagement auf Gesamtmarktebene wichtig, um in der Lage zu sein, solche Trendbrechungen zu erkennen und sich sofort neu zu positionieren.

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