Als die Fed unkonventionell wurde

Thema der Woche vom 6. November 2018

Durch die Lockerungsprogramme (QE) wurde die Bilanzsumme der US-Notenbank Fed auf 4500 Milliarden US-Dollar aufgebläht.

Quelle: Bloomberg

Die Entwicklung der Fed-Bilanz

Durch die Lockerungsprogramme (QE) wurde die Bilanzsumme der US-Notenbank Fed auf 4500 Milliarden US-Dollar aufgebläht.

Quelle: Bloomberg

Nach dem Ausbruch der Finanzkrise vor zehn Jahren griff die US-Notenbank Fed in die geldpolitische Trickkiste. Mit „quantitative easing“ gelang es ihr, der am Boden liegenden Wirtschaft auf die Beine zu helfen.

Vor zehn Jahren fiel in den USA der Startschuss für das wohl grösste geldpolitische Experiment in der jüngeren Geschichte. Die US-Notenbank kündigte im November 2008 eine quantitative Lockerung (engl. quantitative easing) ihrer Geldpolitik an, um die US-Wirtschaft aus der Rezession zu führen und die Auswirkungen von Immobilien- und Finanzkrise zu mildern.

Die Notenbank hatte sich zu diesem unkonventionellen Schritt entschlossen, da bei den Leitzinsen die Nullgrenze bereits erreicht und das Pulver schon verschossen war. Doch es war klar: Der Tiefpunkt der Rezession war noch nicht erreicht. Zudem war der Interbankenmarkt in Folge der Banken- und Finanzkrise schlagartig ausgetrocknet – Stichwort Lehman-Schock. Um einen Zusammenbruch des Bankensystems zu verhindern, musste also schnell frisches Geld her.

Geld per Mausklick

In einer ersten Massnahme hat die Notenbank – vereinfacht gesagt – per Mausklick 600 Milliarden US-Dollar aus dem Nichts geschaffen und damit im Dezember 2008 begonnen, mit Hypotheken besicherte Anleihen, sogenannte Mortgage Backed Securities, auf dem Interbankenmarkt zu kaufen. Dies zielte darauf ab, das Hypothekengeschäft nach dem Kollaps zu stützen. Wenige Monate später, im März 2009, wurde das Programm um 750 Milliarden US-Dollar ausgeweitet und zudem 300 Milliarden zum Kauf von US-Staatsanleihen aufgeworfen – um die Zinsen zu senken und Kreditnachfrage und damit Investitionen anzukurbeln. 

Dazu ein kleiner Exkurs zum sogenannten Transmissionsmechanismus in der Geldpolitik – wie also geldpolitische Massnahmen in den Wirtschaftskreislauf übergreifen: Droht die Inflation aus dem Ruder zu laufen, erhöht die Notenbank die Leitzinsen. Umsetzen tut sie dies, indem sie durch den Verkauf von Wertschriften wie Anleihen die Geldmenge reduziert. In der Folge steigt das Angebot an verfügbaren Anleihen, was wiederum die „Preise“ der Anleihen sinken lässt. Bei einem sinkenden Preis steigt automatisch die Verfallrendite, denn die Coupons der Anleihen sind fix – sie sind festverzinslich. Steigen die Renditen bzw. die Zinsen, werden Kredite teuer und Investitionen zurückgefahren, die Wirtschaft kühlt sich ab. Zudem werden Aktien tendenziell unattraktiver, deren Kurse sinken, was einen negativen Vermögenseffekt zur Folge hat. Es ist weniger Geld für Konsum da.

Die US-Notenbank hat vor zehn Jahren genau das Gegenteil gemacht, denn die Konjunktur sollte stimuliert werden. Sie hat also am Interbankenmarkt Anleihen gekauft, damit die Zinsen über die gesamte Zinskurve gesenkt und die Geldmenge ausgeweitet. In der Fachsprache wird das als Lockerung der Mengenbegrenzung bezeichnet, sprich quantitative Lockerung. Als geistiger Vater dieser mengenmässigen Ausweitung des Geldangebots zur Stützung der Konjunktur gilt der US-Ökonom Milton Friedman. 

Bilanz explodiert

Im Rahmen der quantitativen Lockerungsprogramme – auf das im November vor zehn Jahren aufgegleiste Programm folgten zwei weitere im November 2010 bzw. im September 2012 – weitete die US-Notenbank ihre Bilanzsumme bis Herbst 2014 um 3600 Milliarden auf 4500 Milliarden US-Dollar aus (siehe Grafik).

Seit Herbst 2017 wird die Bilanzsumme verringert, die US-Notenbank schöpft also Geld ab. Auch die Leitzinsen wurden in der Zwischenzeit auf über 2 Prozent erhöht. Schaut man sich den Zustand der US-Wirtschaft an, darf man die vom Ausmass her einzigartige geldpolitische Lockerungsübung der Fed als Erfolg einstufen. Denn die Arbeitslosenquote steht seit Monaten in etwa auf einem 50-Jahres-Tief, die US-Konjunktur wächst seit vielen Quartalen sehr stark und es deutet nichts auf eine Trendumkehr hin.

Doch für ein abschliessendes Fazit zur Quantitativen Lockerung wird man sich gedulden müssen. Denn noch ist die Bilanz der Fed stark aufgebläht und es dürfte noch Jahre dauern, ehe sie sich auf eine – im historischen Massstab – normale Grösse verringert hat. Bis dahin wird die US-Wirtschaft weiterhin mit viel „easy money“ gestützt.
 

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