US-Notenbank verkürzt Bilanz

Thema der Woche vom 10. Oktober 2017

Nach fast zehn Jahren lockerer Geldpolitik beginnt die US-Notenbank Fed im Oktober mit der Verkleinerung ihrer Bilanz.

Mit dem Aufkauf von Anleihen hat die US-Notenbank Fed seit November 2008 Milliarden US-Dollar in die Märkte gepumpt. Sie versuchte damit, die Staatsanleihenzinsen zu senken und die Inflation und die Kreditvergabe der Banken an Unternehmen zu erhöhen. Das sollte die Wirtschaft beleben.

Die sich langsam erholende Wirtschaft erlaubte der Fed, den Leitzins im Dezember 2015 erstmals seit fast zehn Jahren zu erhöhen. Seither hat sie den Leitzins drei weitere Male erhöht. Höhere Leitzinsen verteuern Kredite von Banken an Private und an Unternehmen, was die wirtschaftliche Entwicklung bremst.

Die Reduktion der Bilanz soll nun in ähnlicher Weise straffend für die Wirtschaft wirken. Wie bei der Erhöhung der Zinsen wird dem Markt durch eine Bilanzkürzung Geld entzogen. Eine Bilanzkürzung in einem solchen Ausmass gab es bisher aber noch nie, weshalb die genauen Effekte dieser Massnahme ungewiss sind.

In den Jahren 2007 bis heute hat sich die Bilanzsumme der Fed verfünffacht und beträgt aktuell 4.5 Billionen US-Dollar. Das entspricht knapp einem Viertel des US-Bruttoinlandprodukts.

Die Fed wird nun von den auslaufenden Anleihen auf der Aktivseite ihrer Bilanz monatlich 10 Milliarden US-Dollar nicht reinvestieren. Dieser Betrag wird quartalsweise erhöht, bis 50 Milliarden pro Monat erreicht sind, und dann auf diesem Niveau beibehalten.

Entscheidend für die Verträglichkeit dieser Massnahme für Wirtschaft und Märkte ist die Frage, wie rasch und in welchem Umfang der Abbau erfolgt. Weil sich die Bilanzkürzung über mehrere Jahre hinziehen wird und die Marktteilnehmer behutsam darauf vorbereitet wurden, ist die US-Notenbank zuversichtlich, dass sie die Wirtschaftsentwicklung nicht übermässig belasten wird. Zudem wird die Fed die Konjunkturdaten stets überprüfen und neu beurteilen, ob die geldpolitischen Massnahmen anzupassen sind.

Bei einer abrupten und überraschenden Straffung der Geldpolitik bestünde für Anleger die Gefahr, dass Anleiherenditen und Vermögenspreise starken Schwankungen unterworfen wären.

Weil der Entzug von liquiden Mitteln ein höheres Zinsniveau zur Folge hat, wirkt sich die Massnahme auch auf den Wechselkurs zwischen US-Dollar und anderen Währungen aus. Veränderungen in Zinsniveau und in den Wechselkursen haben einen Einfluss auf das Konsumverhalten von privaten Haushalten und Investitionsentscheidungen von Firmen.

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