Aktien- vs. Obligationenrendite

Thema der Woche vom 7. November 2017

Was rentiert besser? Aktien oder Obligationen? Ein Vergleich der Renditen bietet eine Orientierungsmöglichkeit für Anleger.


Viele Anleger sind hin und her gerissen: Sollen sie nun in Aktien investieren, obwohl die Börsen immer wieder neue Höchststände erreichen? Oder doch lieber in sichere Obligationen, die jedoch kaum noch Zinsen abwerfen?

Grundsätzlich gilt: Wer Verluste nicht verschmerzen kann, wählt sichere Anleihen. Wer auf eine hohe Rendite aus ist, greift zu Aktien - und muss auf kurze Sicht damit rechnen, dass das Ersparte vorübergehend schmilzt. Auf lange Sicht können Anleger mit Aktien aber in der Regel eine höhere Rendite erwarten.

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Aktiengewinnrendite des Swiss Performance Index sowie die Rendite von Schweizer Staatsanleihen mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Die Differenz zeigt, dass die Rendite auf Aktien über jener auf Obligationen liegt.

Bedeutet diese Differenz nun, dass Anleger nur noch Aktien kaufen sollten? Um hier eine klare Antwort geben zu können, müssen die Kennzahlen korrekt interpretiert werden. Hier gibt es nämlich wesentliche Unterschiede:

  1. Die Aktiengewinnrendite setzt den Gewinn ins Verhältnis zum Preis einer Aktie. Sie zeigt, wie das eingesetzte Kapital einer Aktiengesellschaft rentiert. Je höher sie ist, desto rentabler setzt die Gesellschaft ihr Kapital ein. Oder anders gesehen entspricht die Kennzahl dem Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV), welches üblicherweise zur Aktienbewertung herangezogen wird. Je höher die Aktiengewinnrendite, desto attraktiver ist die Aktie im Preis bewertet. Sprich die Aktie dürfte noch weiteres Kurspotential haben. Und je höher die Gewinnrendite ist, desto mehr wirft die Aktie im Vergleich zu deren Wert ab. Steigt die Gewinnrendite, scheint dies auf den ersten Blick ein positives Zeichen zu sein. Jedoch könnte auch ein Rückgang im Aktienkurs für den Anstieg der Gewinnrendite verantwortlich sein.
  2. Die Rendite von Obligationen liegt seit vielen Jahren ein paar Prozentpunkte unter jener von Aktien. In den letzten Jahren ist sie rückläufig und seit 2015 sogar negativ. Dies liegt am tiefen Zinsniveau, an welchem sich die Obligationenrenditen orientieren. Dafür sind aber auch geringere Kursschwankungen zu ertragen. Dies veranschaulicht die Eigenschaften einer sichereren Anlage: bescheidenere Rendite, dafür mehr Konstanz und weniger Risiko. Seit Mitte des letzten Jahres sind Obligationenrenditen wieder ansteigend.

Wenn man also die Aktiengewinnrendite der Obligationenrendite gegenüber stellt, darf man niemals die absolute Höhe bewerten. Was zählt ist die relative Höhe der Rendite im Verhältnis zum eingegangenen Risiko. Dann kann es durchaus sein, dass Anleger für das getragene Risiko gleich, mehr oder weniger entschädigt werden.

Eine weitere wichtige Kennzahl ist die Dividendenrendite. Sie ist das Verhältnis von Dividende zu Aktienkurs. An ihr lässt sich gut messen, wieviel eine Anlage pro Jahr abwirft, denn diese Rendite fliesst dem Anleger direkt zu. Unternehmen zahlen an ihre Aktionäre eine Dividende, welche entweder aus Kapital- oder aus Gewinnreserven stammt. Diese Rendite kann sehr attraktiv ausfallen und stellt daher für Anleger häufig eine Einkommensquelle dar. So kann beispielsweise die Veräusserung von Aktien vermieden werden, falls Liquiditätsbedarf bestünde.

In der Grafik ist ersichtlich, dass sich die Dividendenrendite in den letzten Jahren sehr konstant entwickelt hat. Dies ist der Fall, weil Firmen die Ausschüttungen selber steuern können und sie deshalb häufig über die Jahre hinweg glätten. Da Firmen jedoch jedes Jahr die Höhe der Dividendenzahlung wieder neu festlegen, kann die Dividende auch mal markant tief sein oder gar ganz wegfallen. Zudem ist eine höhere Dividendenrendite nicht immer ein Zeichen einer soliden Aktienentwicklung. Wie bei der Aktiengewinnrendite, kann ein Kursrückgang der Grund für die höhere Rendite sein. Speziell zu beachten ist bei Dividenden auch, ob sie aus Gewinn- oder Kapitalreserven des Unternehmens stammen. Erstere müssen versteuert werden.

Eine höhere Dividendenrendite ist also grundsätzlich ein gutes Zeichen. Doch Anleger sollten die längerfristige Dividendenpolitik des Unternehmens beobachten und beurteilen, ob die steigende Dividende durch genügendes Wachstum der Firma gestützt ist.

Um sich entscheiden zu können, ob man nun in Aktien oder Obligationen investiert, sollten Anleger beim Vergleich der verschiedenen Renditekennzahlen stets die längerfristige Entwicklung im Auge behalten. Längerfristige Durchschnittswerte können gute Anhaltspunkte über Konsistenz und Risiko einer Anlage bieten. Renditen sind zudem immer auch ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko zu setzen. Mit diesen Überlegungen können Anleger eine ihrer Risikobereitschaft und –fähigkeit entsprechende optimale Mischung der verschiedenen Anlageklassen zusammenstellen.

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