Newsletter vom 7. November 2018

Die aktuelle Lage

In der Schweiz ist die Inflation weiter auf dem Vormarsch. Im Oktober hat das Bundesamt für Statistik einen Anstieg der Konsumentenpreise um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat gemessen. Die Jahresteuerung kletterte damit auf 1,1 Prozent, die Kerninflation auf 0,4 Prozent. Derweil sind die Einkaufsmanager der Schweizer Industriebetriebe etwas pessimistischer geworden. Der von der Credit Suisse in Zusammenarbeit mit dem Branchenverband Procure erhobene PMI-Index sank im Oktober zum Vormonat um 2,3 auf 57,4 Punkte. Damit verdichten sich die Hinweise, dass die Schweizer Wirtschaft ihr Wachstumstempo von Anfang 2018 in den kommenden Monaten nicht mehr erreichen wird.

In der Eurozone trüben sich die Konjunkturaussichten weiter ein. Der vom Ifo-Institut erhobene Indikator für das Wirtschaftsklima im vierten Quartal 2018 fiel um deutliche 13 auf 6,6 Punkte zurück. Das ist der tiefste Stand seit Mitte 2016. Auch der vom privaten Wirtschaftsforschungsinstitut Sentix erhobene Index zur Anlegerstimmung im Euroraum hat sich weiter verschlechtert (-2,6 auf 8,8 Punkte im November).

Ähnlich die Lage in Grossbritannien: Dort trübte sich die Stimmung in der Industrie im Oktober stärker als erwartet ein. Der von Markit erhobene Einkaufsmanagerindex bildete sich um 2,5 auf 51,1 Zähler zurück. Das ist der niedrigste Wert seit Juli 2016 – kurz nach dem Brexit-Referendum. Der Index liegt trotz der grossen Unsicherheiten um den Brexit aber nach wie vor über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten.

Der US-Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin sehr robust. So hat die US-Wirtschaft im Oktober unter Ausklammerung der von Saisoneffekten geprägten Landwirtschaft 250'000 neue Stellen geschaffen, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Das war deutlich mehr als von Analysten erwartet. Zudem sind die Löhne erneut gestiegen, und zwar um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Arbeitslosenquote verharrte bei 3,7 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren.

Wahlausgang in den USA: Gegenwind für Donald Trump?

Seit 1928 gab es 18 Zwischenwahlen. Dabei kamen alle möglichen politischen Konstellationen vor. In den zwölf Monaten danach stiegen die Kurse jedes Mal, und zwar durchschnittlich um 17%. Vor den Midterms war die Börse relativ schwach (Durchschnitt Januar bis Oktober: –1%). Das Börsenjahr nach den Zwischenwahlen (3. Amtsjahr) war klar das beste in einer Präsidentschaft.

(Quelle: Yardeni Research)

Präsidentschaftszyklen und S&P500-Entwicklung seit 1928

Seit 1928 gab es 18 Zwischenwahlen. Dabei kamen alle möglichen politischen Konstellationen vor. In den zwölf Monaten danach stiegen die Kurse jedes Mal, und zwar durchschnittlich um 17%. Vor den Midterms war die Börse relativ schwach (Durchschnitt Januar bis Oktober: –1%). Das Börsenjahr nach den Zwischenwahlen (3. Amtsjahr) war klar das beste in einer Präsidentschaft.

(Quelle: Yardeni Research)

Bei den US-Zwischenwahlen sind die wichtigsten Entscheidungen gefallen. In den sogenannten Midterm Elections wählen die US-Bürger den Kongress: Demnach halten die Republikaner ihre Mehrheit im Senat – die Demokraten können neu aber das Repräsentantenhaus übernehmen. Die Wahllokale sind jetzt geschlossen, die letzten Ergebnisse werden noch ausgezählt.

Dieses Szenario wurde an den Märkten grösstenteils so erwartet – und ist deshalb weitgehend eingepreist. Die Futures etwa haben mit einem Plus von 0,3 Prozent kaum reagiert. In der Vergangenheit sind die Kurse an den Märkten nach einer US-Zwischenwahl statistisch betrachtet immer deutlich gestiegen (siehe Grafik).

Was sind die Folgen des geteilten US-Kongresses für die Präsidentschaft von Donald Trump? Bei den Steuern werden keine Änderungen erwartet; ein zweites Steuerpaket dürfte künftig kaum Chancen haben. Auch an der Ausgabengrenze wird sich nichts mehr ändern. Diese Grenze ist für das nächste Jahr bereits gesetzt.

Das von Donald Trump angepriesene Infrastrukturprogramm wird wohl kaum umgesetzt – zumindest nicht in dem Ausmass, wie es angekündigt wurde. Durchaus möglich ist aber, dass die Regierung ein abgespecktes Infrastrukturprogramm durchbringen könnte.

Das neue Handelsabkommen zwischen den USA und Mexiko könnte sich in die Länge ziehen. Letztlich dürfte es aber dennoch durchkommen. Der Handelsstreit mit China bleibt auch künftig ein Thema, daran ändert sich nichts Spezielles mit dem US-Wahlausgang.

Auch im Bereich der Regulationen wird es zu keinen bedeutsamen Veränderungen kommen. Weitere regulatorische Erleichterungen wären wahrscheinlicher gewesen, wenn das Repräsentantenhaus republikanisch geblieben wäre.

Die Fiskalpolitik dürfte sich schwieriger gestalten. In den USA wird gesetzlich festgelegt, wie viele neue Schulden die Regierung machen darf, um ihre Ausgaben zu begleichen. Für 2018 wurde diese Grenze bereits bestimmt. Mit einem geteilten Kongress ist aber das Risiko gestiegen, dass es Ende 2019 zu einem "Shutdown" kommt.

Mit deutlich mehr Gegenwind muss der US-Präsident in der Migrationspolitik rechnen. Die demokratische Mehrheit ist im neuen Repräsentantenhaus allerdings nicht so stark ausgefallen – entsprechend könnte auch die Wirkung möglicher Blockaden nicht so kraftvoll sein, wie es sich die Demokraten wünschen würden.

Im Gesundheitswesen dürften die Bestrebungen der US-Regierung, die Gesundheitsreform "Obamacare" wieder abzuschaffen, einen schweren Stand haben.

Im Fokus

US-Notenbank vor nächsten Schritt: Investoren warten mit Spannung auf den Leitzinsentscheid der US-Notenbank am Donnerstag. In Marktkreisen gilt es als ausgemachte Sache, dass die Notenbanker im Anschluss an ihre zweitätige Sitzung das Zielband für den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt auf 2,25 bis 2,5 Prozent heraufsetzen. Dies wäre die vierte Zinserhöhung im laufenden Jahr und die neunte seit Ende 2015 – dem Beginn des Zinserhöhungszyklus. Die brummende US-Wirtschaft steckt die steigenden Zinsen bislang locker weg.

Rückenwind für EZB: In der Eurozone hat die Inflation im Oktober mit 2,2 Prozent den höchsten Stand seit Ende 2012 erreicht. Ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie sowie Lebens- und Genussmittel fiel die Teuerung deutlich niedriger aus. Gleichwohl erhöhte sich die sogenannte Kernrate von 0,9 Prozent im Vormonat auf 1,1 Prozent. Damit ist der Handlungsdruck der EZB etwas geringer geworden. Die Zentralbank strebt bekanntlich eine Inflation von knapp zwei Prozent an und orientiert sich dabei stark an der Entwicklung der Kernrate.

Hohe Inflation: In der Türkei ist die Inflation im Oktober auf über 25 Prozent gestiegen. Das ist der höchste Stand seit gut 15 Jahren. Die hohe Inflation ist vor allem eine Folge der Lira-Talfahrt. Wegen der schwachen Landeswährung verteuern sich die Einfuhren in die Türkei.

Entspannungssignal am Schweizer Immobilienmarkt: Die Gefahr einer Immobilienblase im Schweizerischen Eigenheimmarkt ist weiter gesunken. Darauf deutet zumindest der vielbeachtete UBS-Immobilienblasenindex hin. Dieser sank im dritten Quartal auf einen Wert von 0,87 Punkten. Damit befindet er sich zum ersten Mal seit Mitte 2012 nicht mehr in der Risikozone.

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