Newsletter vom 6. Februar 2019

Die aktuelle Lage

In der Schweiz zeigen sich die Einkaufsmanager der Industrieunternehmen deutlich zurückhaltender als noch im Dezember. Der von der Credit Suisse und dem Einkaufsfachverband Procure erhobene PMI-Index sank im Januar um 3,2 Punkte auf 54,3 Zähler. Damit kann sich die Schweizer Industrie der gesamteuropäischen Entwicklung nicht entziehen. Bei den Dienstleistungsunternehmen in der Schweiz herrscht hingegen aufgrund des soliden Konsumklimas mehr Zuversicht. Hier legte der PMI um 3,6 auf 59,8 Punkte zu.
 
In Deutschland hat der Auftragseingang bei den Industriebetrieben überraschend einen weiteren Dämpfer erhalten. Gemäss Angaben des Statistischen Bundesamts sank der Auftragseingang im Dezember um 1,6 Prozent. Analysten hatten hingegen mit einem leichten Anstieg gerechnet, nachdem bereits der November-Wert enttäuschend ausgefallen war. Die Auftragseingänge gelten als Frühindikator, denn sie geben Hinweis auf die Auslastung in den Betrieben und damit den weiteren Wirtschaftsverlauf.
 
In der Eurozone hat sich die Wirtschaftsstimmung zu Jahresbeginn deutlich verschlechtert. Der vom Münchner Ifo-Institut für das erste Quartal erhobene Indikator fiel von 6,6 Punkte auf minus 11,1 Zähler zurück. Damit notiert er erstmals seit 2014 wieder unter der Nullmarke. Auch vom Analysehaus Sentix kommen wenig erfreuliche News: Gemäss dessen Umfrage verschlechterte sich in den Euroländern die Anlegerstimmung im Februar erneut. Nach dem sechsten Rückgang in Folge liegt der entsprechende Indikator mit minus 3,7 Punkten ebenfalls auf dem tiefsten Stand seit 2014.
 
In China hat sich die Stimmung bei kleinen und mittelgrossen, meist privaten Industriebetrieben im Januar weiter eingetrübt. So rutschte der vom Wirtschaftsmagazin Caixin erhobene Einkaufsmanagerindex auf 48,3 Punkte ab von 49,7 im Dezember. Werte von unter 50 Punkten deuten einen Rückgang der Produktion an. Auch der offizielle Einkaufsmanagerindex, der vom nationalen Statistikamt erhoben wird und sich vor allem auf grosse und staatliche Industriekonzerne konzentriert, verharrt unter 50 Punkten.
 
Die US-Industrie scheint sich der globalen Wachstumsflaute dagegen entziehen zu können. Der vom Institute for Supply Managment ermittelte PMI-Index stieg im Januar überraschend auf 56,6 Punkte. Analysten hatten im Durchschnitt ein weiteres Zurückgleiten auf rund 54 befürchtet, nachdem der Index im Dezember von 58,8 auf 54,3 abgestürzt war. Dies hatte Sorgen geweckt, nach zehn Jahren ohne Rezession könnte das Ende des Konjunkturzyklus in den USA erreicht sein. Entsprechend hoch war die Spannung im Vorfeld der Datenpublikation. Für Zuversicht sorgt zudem die Entwicklung auf dem US-Arbeitsmarkt, der sich trotz des einmonatigen "Shutdowns" weiterhin robust zeigt.

US-Notenbank gibt Märkten Schützenhilfe

In den letzten Jahren hatte die US-Notenbank den Leitzins insgesamt neunmal um jeweils einen Viertelprozentpunkt erhöht.

Quelle: US-Notenbank

Leitzinsen USA

In den letzten Jahren hatte die US-Notenbank den Leitzins insgesamt neunmal um jeweils einen Viertelprozentpunkt erhöht.

Quelle: US-Notenbank
Die US-Notenbank Fed hat an ihrer Sitzung in der vergangenen Woche einen vorsichtigeren Ton angeschlagen. Das Zielband für die Leitzinsen wurde wie erwartet nicht erhöht und verharrt bei 2,25 bis 2,50 Prozent.
 
Beruhigt hat Fed-Chef Jerome Powell die Finanzmärkte mit der Aussage, dass das aktuelle Zinsniveau im Bereich des neutralen Zinses angekommen sei. Das ist jenes Niveau, welches für die Wirtschaft weder stimulierend noch bremsend wirkt.
 
Zudem stellte Powell in Aussicht, dass man bezüglich weiteren Zinserhöhungen erstmal "abwarten" werde, wie sich die Wirtschaft entwickle. In dem Fed-Statement wurde jeglicher Hinweis auf weitere Zinserhöhungen gestrichen. Bei einer konjunkturellen Verschlechterung sind vielmehr Nettoassetkäufe eine Option, wie es hiess.
 
Die Investoren an den Finanzmärkten reagierten erleichtert, denn noch im Dezember hatte sich Powell unbeeindruckt von den Börsenturbulenzen gezeigt.
 
Die Fed hatte den Leitzins 2018 insgesamt vier Mal angehoben (siehe Grafik). Damit hatte sie auf den Wirtschaftsboom in den USA reagiert.
 
Fazit: Die markant geänderte Kommunikation sorgt für Aufsehen an den Märkten: Der klar zurückhaltendere Ton lässt insbesondere die US-Zinsen sinken und unterstützt die Aktienmärkte. Wir erwarten im ersten Halbjahr 2019 keine weiteren Zinsschritte. Das Ende des Zinserhöhungsszyklus dürfte aber noch nicht ganz erreicht sein.

Im Fokus

Starker Jahresstart für Aktien: Die führenden Aktienindizes in Europa und den USA haben nach dem Absturz im Dezember zu Beginn des neuen Jahres eine fulminante Aufholjagd hingelegt. Für den US-Leitindex S&P 500 war es sogar der beste Januar seit 1987. Dass sich die Anleger wieder risikofreudig zeigen, ist vor allem auf den vorsichtigeren Ton der US-Notenbank zurückzuführen (siehe Haupttext oben).
 
Berichtssaison bislang solide: Von den Unternehmen, die bislang ihre Zahlenkränze zum vierten Quartal bzw. zum vergangenen Geschäftsjahr vorgelegt haben, haben mehr als die Hälfte positiv überrascht. Damit zeigt sich, dass die Ende 2018 aufgekommenen Konjunktursorgen teilweise überzogen waren. Auch das ist ein Grund, weshalb die Börsenampeln auf grün geschaltet haben.

Seite empfehlen



Kopieren Sie den Link [ctrl + c] und fügen Sie ihn in ein E-Mail ein [ctrl + v]. Aus Sicherheitsgründen ist kein Versand von E-Mails direkt vom VZ Finanzportal möglich.


Das könnte Sie ebenfalls interessieren