Newsletter vom 5. Dezember 2018

Die aktuelle Lage

In der Schweiz sind die Konsumentenpreise überraschend gesunken. Gemäss Bundesamt für Statistik lagen die Preise im Durchschnitt um 0,3 Prozent unter dem Niveau des Vormonats. Die Jahresteuerung bildete sich damit auf 0,9 Prozent von im Oktober gemessenen 1,1 Prozent zurück. Derweil ist die Schweizer Wirtschaft im dritten Quartal unerwartet geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank im Vergleich zum zweiten Quartal um 0,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr resultiert allerdings noch immer ein eindrückliches Wachstum von 2,4 Prozent.
 
In der Eurozone lässt der Inflationsdruck ebenfalls nach. Die Konsumentenpreise lagen im November im Durchschnitt nur noch 2,0 Prozent über dem Vorjahresniveau, wie das Statistikamt Eurostat mitteilte. Im Oktober hatte die Inflationsrate noch 2,2 Prozent betragen. Auch die für die Geldpolitik der EZB relevante Kernrate bildete sich zurück, und zwar auf 1,0 von 1,1 Prozent. Ende Jahr will die EZB ihr Anleihenkaufprogramm einstellen, obwohl das mittelfristig angestrebte Inflationsziel von knapp zwei Prozent noch weit entfernt ist.
 
In den USA hat sich die Stimmung in der Industrie überraschend verbessert. Der vom Institute for Supply Management erhobene ISM-Index stieg im November auf 59,3 von 57,7 Punkten. Im August hatte das vielbeachtete Wirtschaftsbarometer mit 61,3 Punkten den höchsten Stand seit 14 Jahren erreicht. Unterdessen sind die Konsumausgaben und die Einkommen der privaten Haushalte im Oktober etwas stärker als erwartet gestiegen, wie die Daten des Handelsministeriums zeigen. Die Inflation, gemessen an dem von der US-Notenbank bevorzugten Inflationsmass PCE, verharrte allerdings bei 2,0 Prozent. Die Inflation liegt damit aber weiterhin im Zielbereich der US-Notenbank.
 
In Japan hat die Industrieproduktion im Oktober überraschend stark zugelegt. Gemäss Angaben des Wirtschaftsministeriums resultiert im Monatsvergleich ein Zuwachs um 2,9 Prozent. Das ist ein Hinweis, dass die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt wieder Fahrt aufnimmt. Im dritten Quartal wurde die Konjunktur von einer Serie von Naturkatastrophen belastet.
 
In China deuten derweil die Einkaufsmanagerindizes auf eine weiterhin angespannte Lage in den Industriebetrieben hin. Sowohl der Caixin-PMI als auch der offizielle PMI der chinesischen Regierung notieren unverändert im Bereich von 50 Punkten. Werte von über 50 Punkten zeigen eine wirtschaftliche Expansion an, Werte darunter eine wirtschaftliche Kontraktion.

US-Notenbank will einen Gang runter schalten

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ist über die vergangenen Wochen gesunken. Dies stützt die vorsichtige Sicht der Fed.

Quelle: Bloomberg; Daten per 5.12.18

Abwärtstendenz bei US-Rendite

Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe ist über die vergangenen Wochen gesunken. Dies stützt die vorsichtige Sicht der Fed.

Quelle: Bloomberg; Daten per 5.12.18
Die US-Notenbank Fed will bei ihrem geldpolitischen Straffungskurs etwas weniger schnell voranschreiten als bis anhin kommuniziert. Dies lässt sich aus den Worten des Fed-Chefs Jerome Powell ableiten. Der US-Leitzins sei "nur noch knapp unter dem Band der Erwartung für das neutrale Niveau", hatte er an einer Rede gesagt. Allgemein wird erwartet, dass die Fed bei Erreichen dieses neutralen Niveaus, auf welchem die Geldpolitik weder stimulierend noch bremsend ist, bezüglich Zinserhöhungen pausieren wird.
 
Die Fed will sich damit einen grösseren Handlungsspielraum verschaffen. Denn die konjunkturelle Dynamik hatte im zweiten Halbjahr weltweit etwas an Schwung verloren. Und dieser Trend dürfte sich im neuen Jahr voraussichtlich fortsetzen. Man wolle künftig flexibler auf neue wirtschaftliche Entwicklungen reagieren, stellte Powell denn auch klar.
 
Am Zinsmarkt waren die Aussagen Powells keine grosse Überraschung, auch wenn die US-Aktienmärkte kurzzeitig mit einer Erholungsbewegung reagierten. Bei den Zinsen wurde dieser Schritt jedoch bereits über die vergangenen Wochen mehr oder weniger eingepreist. So ist die Rendite der zehnjährigen Referenzanleihe deutlich gesunken (siehe Grafik).
 
Für 2019 rechnen die Marktteilnehmer nun eher noch mit einem als mit zwei Zinsschritten. Hingegen sind die Erwartungen an eine Zinserhöhung in diesem Dezember unverändert hoch.

Im Fokus

Job-Daten im Blick: Investoren richten ihr Augenmerk bereits auf den am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktbericht. Von Interesse ist dabei unter anderem das trotz nahezu rekordtiefer Arbeitslosigkeit bislang noch zaghafte Lohnwachstum. Kommt es hier zu einer höheren Dynamik, würde dies für entsprechenden Inflationsdruck sorgen und die Notenbank in ungemütliches Fahrwasser bringen. Denn zuletzt hatte die Fed signalisiert, unter anderem aufgrund der leichten wirtschaftlichen Eintrübung bei den Zinserhöhungen etwas langsamer vorgehen zu wollen als bis anhin (siehe Text oben).
 
Katar verlässt OPEC: Das Emirat Katar will das Erdölkartell OPEC Anfang 2019 verlassen. Man wolle sich künftig auf die Gasproduktion konzentrieren, kündigte die Regierung an. Das Emirat am Persischen Golf hat einen Anteil am Gas-Weltmarkt von fast 30 Prozent. Vor seiner Küste befindet sich eines der grössten Erdgasfelder der Welt. Beobachtern zufolge will Katar mit dem OPEC-Austritt seine Unabhängigkeit gegenüber den arabischen Nachbarn demonstrieren. Vergangenes Jahr hatten diese versucht, das Land mittels wirtschaftlicher Isolation in die Knie zu zwingen. Der Vorwurf lautete, Katar finanziere terroristische Gruppen in der Golfregion. Doch den Nachbarn dürfte wohl vor allem auch der grosse wirtschaftliche Erfolg Katars ein Dorn im Auge gewesen sein. An diesem Donnerstag kommen die Mitglieder der OPEC und weitere Staaten wie Russland in Wien zusammen. Zentraler Verhandlungspunkt werden die gesunkenen Ölpreise sein.
 
Macron lenkt im Kräftemessen mit "Gelbwesten" ein: Um die aufgeheizte Stimmung in Frankreichs Bevölkerung abzukühlen, hat die Regierung von Präsident Emmanuel Macron die geplante und heftig umstrittene Steuererhöhung auf Benzin und Diesel ausgesetzt. Dem vorausgegangen waren Krawalle der Protestbewegung der "Gelbwesten", die offenbar die Unterstützung von grossen Teilen der Bevölkerung hat. Für den einstigen Hoffnungsträger Macron ist das ein schwerer Rückschlag. Er war vor 18 Monaten angetreten, um der zweitgrössten Volkswirtschaft Europas zu einer grösseren Wirtschaftsdynamik zu verhelfen.

Seite empfehlen



Kopieren Sie den Link [ctrl + c] und fügen Sie ihn in ein E-Mail ein [ctrl + v]. Aus Sicherheitsgründen ist kein Versand von E-Mails direkt vom VZ Finanzportal möglich.


Das könnte Sie ebenfalls interessieren