Newsletter vom 28. November 2018

Die aktuelle Lage

In der Schweiz hat sich die Beschäftigungslage im dritten Quartal weiter verbessert. Das Bundesamt für Statistik weist in dem vierteljährlich erhobenen Beschäftigungsbarometer einen Anstieg um 1,6 Prozent auf 5,07 Millionen Beschäftigte aus. Im Bereich Industrie und Baugewerbe – der sogenannte sekundäre Sektor – wurde ein Plus von 1,8 Prozent verzeichnet, im Bereich Dienstleistungen (tertiärer Sektor) stieg die Beschäftigung um 1,6 Prozent. Auch die Aussichten haben sich gebessert (+1,0 Prozent). Das ist ein Hinweis darauf, dass die Beschäftigung etwa mit der gleichen Dynamik wie bisher wachsen dürfte.
 
In Deutschland kühlt sich die Konjunktur ab. So ist das Ifo-Geschäftsklima im November um 0,9 auf 102,0 Zähler gesunken und damit etwas stärker als von Analysten befürchtet. Für das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer ist das der dritte Rückgang in Folge. Zuletzt hatten bereits verschiedene Institutionen und Organisationen sowie die deutsche Regierung ihre Konjunkturprognosen für das Land gesenkt. Im dritten Quartal hatte sich das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem zweiten Jahresviertel um 0,2 zurückgebildet. Davor war die deutsche Wirtschaft letztmals Anfang 2015 geschrumpft.
 
In Frankreich hat sich die Stimmung der Konsumenten spürbar eingetrübt. Das Konsumentenvertrauen sank um 3,0 auf 92 Punkte, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Das war etwas deutlicher als erwartet. Mit dem diesem Rückgang fällt die Konsumlaune in der zweitgrössten Volkswirtschaft der Eurozone auf den niedrigsten Stand seit Februar 2015.
 
Auch die Stimmungslage der amerikanischen Konsumenten hat sich im November eingetrübt, wenn auch nur leicht. Der vom Conference Board erhobene Indikator fiel um 1,8 auf 135,7 Zähler zurück. Im Vormonat hatte das Stimmungsbarometer allerdings den höchsten Stand seit 18 Jahren erreicht – dank nahezu rekordtiefer Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen.

Globale Wirtschaft schwächt sich ab

Auch wenn der Trend nach unten zeigt: Die PMIs liegen weiterhin im Expansionsbereich von über 50 Punkten.

Quelle: Markit, JPMorgan; Daten per 26.11.18

PMI-Entwicklung in den grossen Wirtschaftsräumen

Auch wenn der Trend nach unten zeigt: Die PMIs liegen weiterhin im Expansionsbereich von über 50 Punkten.

Quelle: Markit, JPMorgan; Daten per 26.11.18
Das Wirtschaftswachstum verliert in den wichtigsten Wirtschaftsräumen an Schwung. Die Einkaufsmanagerindizes – kurz PMI – verzeichnen seit einigen Monaten eine rückläufige Entwicklung (siehe Grafik). Grund zur Sorge besteht allerdings nicht. Denn die PMI-Daten liegen weiterhin über 50 Punkten. Das ist jene Schwelle, die eine wirtschaftliche Expansion anzeigt.
 
Den stärksten und steilsten Abwärtstrend bei der PMI-Entwicklung verzeichnet Europa (blaue Linie in der Grafik). Das kommt aber nicht unerwartet, denn die Wirtschaft in der Eurozone lief im vergangenen Jahr auf allen Zylindern. Nach dieser sehr starken Entwicklung kann die Abschwächung als eine Normalisierung der wirtschaftlichen Expansion interpretiert werden.
 
Das Wirtschaftswachstum in der Eurozone wurde zuletzt vor allem auch von Deutschland ausgebremst, der grössten Volkswirtschaft des Währungsraumes. Dort kämpft die wichtige Autoindustrie mit den Folgen der Umstellung auf härtere Abgastests. Da es sich dabei um ein temporäres Problem handeln dürfte, ist nicht mit einer nachhaltigen wirtschaftlichen Eintrübung zu rechnen.
 
In den USA ist ebenfalls eine Abschwächung sichtbar, nachdem sich hier in den letzten Monaten noch eine stabile Entwicklung auf hohem Niveau gezeigt hatte. Aber auch das kommt nicht ganz unerwartet, verlieren doch die konjunkturellen Stimulierungsmassnahmen der Trump-Administration wie die Steuersenkungen an Einfluss.
 
Fazit: Die nachlassende wirtschaftliche Dynamik in den grossen Wirtschaftsräumen in Verbindung mit dem in seinen Folgen schwer abzuschätzenden Handelskonflikt zwischen den USA und China verunsichert die Anleger. Grundsätzlich weisen die Fundamentaldaten aber auf eine weiterhin robuste gesamtwirtschaftliche Entwicklung hin.

Im Fokus

Nach Ölpreis-Sturz OPEC-Treffen im Blick: Die seit Oktober anhaltende Talfahrt bei den Ölpreisen schraubt die Erwartungen an die Zusammenkunft des Ölkartells OPEC am 6. Dezember hoch. Einige Marktbeobachter erwarten, dass sich die Staaten zu einer Begrenzung der Fördermenge durchringen, um den Preiszerfall zu stoppen. Andere Experten halten das eher für unwahrscheinlich, da sich US-Präsident Trump sehr deutlich für weiter sinkende Preise ausgesprochen hat. Nach dessen Loyalität gegenüber dem saudischen Kronprinzen in der Khashoggi-Affäre könnte Trump mit dem OPEC-Mitglied Saudi Arabien einen gewichtigen Fürsprecher haben. Erste Hinweise zu einer möglichen OPEC-Massnahme könnte es auf dem an diesem Wochenende in Argentinien stattfindenden G-20-Treffen geben.
 
Entspannungssignale im Haushaltsstreit: Die italienische Regierung hat im Budgetstreit mit der EU versöhnlichere Töne angeschlagen. "Für uns spielt es keine Rolle, wenn das Defizit ein bisschen verringert werden muss", wurde Vizepremier und Fünf-Sterne-Chef Di Maio in den Medien zitiert. Es gehe ihm nicht um Dezimalstellen, liess auch Lega-Chef Salvini wissen. Obwohl Italien bereits sehr hoch verschuldet ist, sieht die Koalition von Fünf-Sterne und Lega eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts vor, um die Wahlversprechen zu finanzieren. Die EU hingegen, die bei dem Haushaltsplant ein Mitspracherecht hat, drängt auf Sparmassnahmen.
 
Neue Notkredite für Banken im Gespräch: In der EZB denkt man offenbar über neue Notkredite für den Bankensektor nach. Bereits 2014 und 2016 hatte die EZB Banken mit sogenannten TLTRO-Krediten unter die Arme gegriffen. Die Institute durften die Gelder auch bei gewissen Liquiditäts-Kennzahlen anrechnen. Doch wenn die Restlaufzeit dieser Kredite weniger als zwölf Monate beträgt, ist das nicht mehr erlaubt. Deswegen könnte verschiedenen Banken vor allem aus Südeuropa Mitte 2019 ein Liquiditätsengpass drohen. Denn ein grosser Brocken der TLTRO-Kredite läuft im Sommer 2020 aus.

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