Newsletter vom 21. November 2018

Die aktuelle Lage

Die Wirtschaft in der Eurozone ist im dritten Quartal so langsam gewachsen wie seit über vier Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt legte zwischen Juli und September lediglich noch 0,2 Prozent zum Vorquartal zu, wie Daten des Statistikamts Eurostat zeigen. Ein wichtiger Grund ist, dass die grösste Wirtschaft im Währungsraum – Deutschland – im dritten Quartal erstmals seit dreieinhalb Jahren geschrumpft ist. Und zwar um 0,2 Prozent, wie das nationale Statistikamt mitteilte. Der Dämpfer dürfte auf Probleme in der wichtigen Autoindustrie zurückzuführen sein.

In den USA ist die Inflation weiter auf dem Vormarsch. So stiegen die Konsumentenpreise im Oktober um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Arbeitsministerium mitteilte. Insbesondere höhere Energiepreise und steigende Mieten sorgten für höhere Lebenshaltungskosten. Im September wurde eine Teuerung von 2,3 Prozent gemessen. Unterdessen haben die US-Einzelhändler ihre Umsätze im Oktober unerwartet kräftig gesteigert. Gemäss Angaben aus dem Handelsministerium wuchsen die Einnahmen im Vergleich zum Vormonat um 0,8 Prozent. Die tiefe Arbeitslosigkeit und die steigenden Löhne hellen offensichtlich die Kauflaune der Bürger auf. In den USA macht der private Konsum mehr als zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung aus.

Die Wirtschaft Japans wurde in den Sommermonaten von einem Wirbelsturm und einem Erdbeben belastet. Gemäss Regierungsangaben schrumpfte die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent. Auf Jahressicht ging das Bruttoinlandsprodukt um 1,2 Prozent zurück. Für das vierte Quartal rechnen Ökonomen für die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt mit einem Nachholeffekt und einem halbwegs versöhnlichen Jahresausklang.

Die chinesische Wirtschaft scheint sich nach ihrem leichten Schwächeanfall wieder zu fangen. Die Industrieproduktion legte im Oktober im Vergleich zum Vorjahr um 5,9 Prozent zu, wie die Regierung in Peking mitteilte. Das war ein wenig stärker als von Analysten erwartet und etwas mehr als im Vormonat. Für Zuversicht sorgen auch die um 5,7 Prozent gestiegenen Investitionsausgaben nach einem Anstieg um 5,4 Prozent im September.

Geldpolitik: Europa noch im Krisenmodus

Quelle: Bloomberg per 31.10.18

Leitzinsentwicklung der wichtigsten Zentralbanken

Quelle: Bloomberg per 31.10.18

Die Wirtschaft hat die Finanzkrise von 2008 überwunden und wächst wieder weltweit. Die Normalisierung der Geldpolitik verläuft aber langsamer. Während in den USA die Zinsen seit Ende 2015 stetig steigen, sind die europäischen Währungshüter weiterhin im Krisenmodus – und noch weit von einer Normalisierung entfernt.

Die US-Notenbank Fed hat bereits zwei Drittel der Zinsanhebungsphase hinter sich. Acht Mal hat sie den Leitzins bereits erhöht, vier weitere Schritte werden erwartet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat derweil angekündigt, allerfrühestens im Herbst 2019 mit dem ersten Zinsanstieg beginnen zu wollen. 

Im unwahrscheinlichen Falle einer Rezession wären die USA besser gerüstet und flexibler. In Europa hätten die Notenbanker dagegen kaum Munition, um auf einen allfälligen Abschwung zu reagieren.

Die Fed ist vom Quantitative Easing, also von der reichlichen Versorgung der Märkte mit Liquidität, zum Quantitative Tightening übergegangen: Seit einem Jahr reduziert sie ihre Bilanz. Aktuell werden pro Monat 50 Milliarden US-Dollar nicht mehr in auslaufende Anleihen reinvestiert. Damit beginnt die Fed-Bilanz zu schrumpfen. 

Die EZB startete ihr Anleihenkaufprogramm in der Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat im März 2015. Seit März 2017 hat sie die Einkäufe schrittweise reduziert. Per Ende 2018 wird sie das Quantitative Easing ganz aufheben. Damit baut die EZB ihre Bilanz nicht mehr aus und dem Markt wird ab 2019 Liquidität entzogen. Eine Reduktion der EZB-Bilanz wird aber erst nach dem ersten Leitzinsschritt erwartet.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) zeigt sich in ihrer jüngsten Lagebeurteilung weiterhin vorsichtig. Neben den Negativzinsen sind Interventionen in den Devisenmarkt ihr wichtigstes Instrument. Seit den Wahlen in Frankreich im 2017 musst die SNB allerdings nicht mehr so stark am Devisenmarkt intervenieren. Politische Risiken rund um Italien und dem Brexit haben in den letzten Monaten wieder zu einer hohen Nachfrage nach Schweizer Franken geführt. 

Obwohl die konjunkturelle Lage in der Schweiz robust ist – die Inflation ist aber weiterhin verhalten –, ist nicht zu erwarten, dass die SNB die Leitzinsen vor der EZB erhöhen wird, also nicht vor Herbst 2019. Höchstwahrscheinlich ist eine behutsame Normalisierung der Geldpolitik im Tandem mit der EZB.

Im Fokus

Erneut Bestnote für Schweiz: Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat der Eidgenossenschaft im Rahmen ihrer regelmässigen Bonitätsprüfung einmal mehr die Bestnote „AAA“ gegeben. Die Experten begründeten dies mit der Erwartung, dass die Schweizer Wirtschaft in den kommenden zwei bis drei Jahren wachsen werde und Budgetüberschüsse erzielt würden. Auch die beiden anderen grossen Ratingagenturen – Moody’s und Fitch – stufen die Kreditwürdigkeit der Schweiz mit der Bestnote ein. Weltweit trifft das nur auf ein knappes Dutzend Staaten zu, darunter die Niederlande und Deutschland.

Bitcoin auf Jahrestief: Die Kryptowährung Bitcoin hat in den vergangenen Tagen Federn gelassen. Auf der Handelsplattform Bitstamp rutschte der Kurs auf unter 4500 US-Dollar ab. Das ist der tiefste Stand seit Oktober 2017. Noch Ende 2017 hatte der Bitcoin an der Marke von 20‘000 USD gekratzt. Auch andere virtuelle Währungen wie Ether und Litecoin standen unter Abgabedruck. Experten führen dies unter anderem auf die bevorstehende Aufspaltung der mit dem Bitcoin verwandten Kryptowährung Bitcoin-Cash zurück. Anleger hätten ihre Gelder abgezogen, um sie in diese neue und vielversprechende Kypto-Variante zu investieren, hiess es.

USA kritisieren China: Die Vereinigten Staaten erhöhen im Handelsstreit mit China den Druck. In einem neuen Lagebericht hat der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer das Reich der Mitte erneut kritisiert. Trotz der von den USA verhängten Strafzölle habe China seine Handelspraktiken nicht geändert. Diese seien nach wie vor «unfair, untragbar und wettbewerbsverzerrend».

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