Newsletter vom 19. Dezember 2018

Die aktuelle Lage

Für die Schweiz zeichnet sich eine nachlassende Dynamik beim Wirtschaftswachstum ab. Die Ökonomen des Staatssektretariats für Wirtschaft (Seco) haben ihre Prognosen für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts für 2018 auf +2,6 Prozent von im September geschätzten +2,9 Prozent gesenkt. Für 2019 wird sogar nur noch ein Plus von 1,5 Prozent veranschlagt noch zuvor prognostizierten 2,0 Prozent. Die Seco-Experten verweisen auf die globale Wirtschaftsabschwächung. Auch der wieder deutlicher zur Stärke neigende Schweizer Franken wird genannt, belastet er doch die Exportentwicklung. Mit der vorsichtigeren Einschätzung ist das Seco nicht allein: Die Prognostiker von anderen Instituten zeigten sich zuletzt ebenfalls etwas weniger zuversichtlich.
 
Ähnliches Bild in Deutschland: Das Ifo-Institut hat seine Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum 2019 deutlich zurückgeschraubt. Dabei wird als spezifisch deutsches Problem auf die Schwäche der Automobilindustrie verwiesen. Die Forscher rechnen mit einem Plus von 1,1 Prozent. Bei ihrer letzten Prognose im Herbst hatten sie noch ein Anstieg von 1,9 Prozent veranschlagt. Sie sind damit deutlich pessimistischer als andere Forschungsinstitute. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft erwartet für das nächste Jahr 1,8 Prozent Wachstum, das Berliner DIW 1,6 Prozent. Für das Wirtschaftswachstum 2018 liegt die Konsensschätzung bei 1,5 Prozent.
 
Im Euroraum hat sich die Unternehmensstimmung weiter verschlechtert. Der vom Forschungsinstitut Markit erhobene Einkaufsmanagerindex sank im Dezember überraschend um 1,4 auf 51,3 Punkte und kam damit auf dem tiefsten Stand seit rund vier Jahren zu liegen. In Frankreich fiel der Indikator sogar unter die Wachstumsgrenze von 50 Punkten.
 
In den USA schwächte sich die Inflation im November relativ deutlich ab. Nach Berechnungen des US-Arbeitsministeriums lagen die Konsumentenpreise 2,2 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Im Oktober wurde noch ein Preisanstieg von 2,5 Prozent gemessen. Ausschlaggebend für die schwächere Entwicklung waren tiefere Preise für Energie. Die Kerninflation stieg demgegenüber um 2,2 Prozent und damit etwas stärker als im Vormonat.
 
In China zeigt das Wirtschaftswachstum inmitten des Handelsstreits mit den USA weitere Anzeichen einer Verlangsamung. Gemäss Regierungsangaben legte im November die Industrieproduktion im Jahresvergleich um lediglich 5,4 Prozent zu. Ökonomen hatten mit einem stärkeren Zuwachs im Bereich des Vormonatswerts von 5,9 Prozent gerechnet. Auch die Dynamik beim Einzelhandelsumsatz liess mit +8,1 Prozent recht deutlich nach. Die chinesische Wirtschaft war im dritten Quartal überraschend nur noch um 6,5 Prozent gewachsen. So schwach war das Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte zuletzt Anfang 2009 nach Ausbruch der globalen Finanzkrise.

SNB bleibt unverändert expansiv

Die Schweizerische Nationalbank hat an ihrer Dezembersitzung die Inflationsprognosen vom September gesenkt.

Quelle: SNB

Inflationsprognosen gesenkt

Die Schweizerische Nationalbank hat an ihrer Dezembersitzung die Inflationsprognosen vom September gesenkt.

Quelle: SNB
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) rückt nicht von den Negativzinsen ab und hält das geldpolitische Gaspedal voll durchgedrückt. Mit Blick auf die Geldpolitik in der Eurozone hat sie derzeit auch kaum eine andere Möglichkeit.
 
Die geldpolitischen Beschlüsse boten deshalb auch keine Überraschung. Die Währungshüter beliessen den Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank bei -0,75 Prozent und das Zielband für den Dreimonats-Libor bei -1,25 bis -0,25 Prozent. Diese Eckwerte gelten nun seit fast vier Jahren.
 
Allerdings geben die Inflationsprognosen zu Reden. Denn diese wurden reduziert (siehe Grafik). Den Rückgang erklärt die SNB unter anderem mit den tieferen Ölpreisen, die eine wichtige und schwankungsstarke Preiskomponente sind. Insgesamt nimmt damit der Inflationsdruck wieder ab.
 
Trotz der konjunkturellen Abschwächung im dritten Quartal rechnet die SNB für die kommenden Quartale mit einem soliden Wachstum der Weltwirtschaft; jedoch mit einer Verlangsamung.
 
Auch die EZB bleibt expansiv. Sie beendet wie in Aussicht gestellt die Nettokäufe im Rahmen des Anleihenkaufprogramms und bestätigte, dass bei den Leitzinsen frühestens im Herbst mit einer Änderung zu rechnen ist.
 
Fazit: Die konjunkturelle Abschwächung in den grossen Wirtschaftsregionen und insbesondere in der Schweiz dürfte sich als vorübergehend erweisen. Aufgrund der wieder tiefer tendierenden Inflationsprognosen nimmt der Druck auf die Zentralbanken ab, ihre lockere Geldpolitik zu beenden. Wir rechnen nach wie vor mit einer behutsamen Normalisierung seitens der SNB in Tandem mit der EZB.

Im Fokus

Zinsprojektionen der Fed: Während die geldpolitischen Beschlüsse von SNB und EZB unter dem Strich als "non-event" bezeichnet werden können, warten die Investoren mit grosser Spannung auf den am heutigen Mittwochabend anstehenden Zinsentscheid der US-Notenbank Fed. Dabei gilt eine weitere Zinserhöhung als sehr wahrscheinlich. Es wäre die insgesamt neunte im aktuellen Straffungszyklus. Doch das Augenmerk wird vor allem auf den neuen Zinsprojektionen liegen. Denn zuletzt hatte die Fed signalisiert, das Tempo bei den Zinserhöhungen reduzieren zu wollen. Deswegen ist es noch relativ unklar, wie der Zinsfahrplan 2019 aussieht.
 
Ölpreise erneut unter Druck: Die OPEC-News der Vorwoche vermochten die Ölpreise nicht nachhaltig zu stabilisieren. Im Gegenteil: Die Nordseesorte Brent rutschte auf unter 60 US-Dollar ab und die US-Sorte WTI auf unter 50 US-Dollar. Marktexperten zufolge schürt die schlechte Börsenstimmung Sorgen vor einer Konjunkturabkühlung mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Ölnachfrage. Zudem daure es, bis die in der Vorwoche von der OPEC und anderen Staaten vereinbarte Förderbeschränkung vollständig umgesetzt sei, heisst es weiter. Seit Wochen herrscht am Ölmarkt an Überangebot.
 
Erleichterung wegen Italien, Zuspitzung in Frankreich: Der Kompromiss zwischen der italienischen Regierung und der EU im Haushaltsstreit sorgte für etwas Entspannung an den Finanzmärkten. Die Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen sind in der Folge deutlich gesunken. Doch nun droht dem Euroraum neues Ungemach in Frankreich, wo die Proteste der "Gelbwesten" offenbar eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage zur Folge haben. Zudem lassen die finanziellen Zugeständnisse der Regierung an die aufgebrachte Bevölkerung die Neuverschuldung über die zulässigen 3 Prozent hinausschiessen.

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