Newsletter vom 13. März 2019

Die aktuelle Lage

In der Schweiz bleibt die Arbeitslosenquote auf einem sehr tiefen Niveau. Im Februar lag sie gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft bei 2,7 Prozent. Im Januar wurden 2,8 Prozent ermittelt. Üblicherweise erreicht die Arbeitslosigkeit im Januar jeweils ihren Höchststand, wenn es vor allem im Bau und in der Gastronomie weniger zu tun gibt. Saisonale Effekte ausgeklammert blieb die Arbeitslosenquote stabil bei 2,4 Prozent.
 
In der Eurozone geben inmitten einer zuletzt eher trüben Konjunkturlage neue Industriedaten aus drei grossen Euroländern etwas Hoffnung. In Frankreich, Italien und Spanien haben die Industrieunternehmen ihre Herstellung zu Jahresbeginn jeweils deutlich ausgeweitet. Besonders hervor sticht die spanische Industrie, die den stärksten Monatszuwachs seit fast 18 Jahren verbuchte. Für Ernüchterung sorgten dagegen Auftragsdaten aus der deutschen Industrie: Im Januar habe es im Monatsvergleich einen Rückgang um 2,6 Prozent gegeben, teilte das Statistische Bundesamt mit.
 
In den USA hat der Arbeitsmarkt im Februar widersprüchliche Signale ausgesendet: Während der Beschäftigungsaufbau fast zum Erliegen kam, legten die Stundenlöhne stärker als erwartet zu, wie die Daten des US-Arbeitsministeriums zeigen. Allerdings ist unklar, ob die tiefe Zahl der neuen Stellen (20'000 vs. Prognose 180'000) auf eine schwache Nachfrage nach Arbeit zurückzuführen ist, oder auf das knappe Angebot an Arbeitskräften. Denn bei einer Arbeitslosenquote von 3,8 Prozent herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Dem mageren Stellenaufbau steht eine robuste Lohnentwicklung gegenüber. Die Löhne und Gehälter stiegen im Jahresvergleich um 3,4 Prozent. Dies ist der deutlichste Zuwachs seit dem Jahr 2009. Die Lohnentwicklung ist wichtig für die Preisentwicklung – und damit für die Geldpolitik. Bislang ist von dieser Wechselwirkung jedoch noch nichts zu sehen. Die Inflationsrate ist im Februar mit 1,5 Prozent auf den tiefsten Stand seit Herbst 2016 gefallen.
 
In China ist die Inflation weiterhin rückläufig. Die Konsumentenpreise waren im Februar nur noch 1,5 Prozent höher als vor einem Jahr. Das ist zwar in etwa so viel wie Ökonomen erwartet hatten, doch ein Rückgang im Vergleich zu dem Januar-Plus von 1,7 Prozent. Sinkende Konsumentenpreise können ein Anzeichen eines nachlassenden Konsums sein. Gerade den will die chinesische Regierung angesichts der grossen Exportabhängigkeit des Landes aber eigentlich stärken. Auf Produzentenebene hat die Preisentwicklung praktisch stagniert. Das ist ein Zeichen für eine schwächelnde Produktion, die unter dem Handelsstreit mit den USA leidet. Wie gross das Ausmass ist, zeigen die Exportdaten: Die chinesischen Ausfuhren brachen im Vergleich zum Vorjahresmonat um rund ein Fünftel ein, die Importe schrumpften um 5 Prozent.

EZB schiebt Normalisierung weiter auf

Geringeres Wirtschaftswachstum und tiefere Inflation: Die EZB hat ihre Prognosen gesenkt.

Quelle: EZB

EZB senkt Konjunkturprognosen

Geringeres Wirtschaftswachstum und tiefere Inflation: Die EZB hat ihre Prognosen gesenkt.

Quelle: EZB
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat an ihrer März-Sitzung einen vorsichtigeren Kurs eingeschlagen. Die Leitzinsen wurden zwar wie erwartet nicht angetastet. Der Ausblick für eine Zinserhöhung, die sogenannte Forward Guidance, wurde aber um einige Monate verschoben auf frühestens Ende 2019.
 
EZB-Präsident Mario Draghi, dessen achtjährige Amtszeit Ende Oktober abläuft, wäre dann der erste EZB-Präsident, der in seiner Amtszeit kein einziges Mal die Zinsen erhöht hat.
 
Die weiterhin ultralockere Geldpolitik begründete Draghi mit den aufgrund des Handelsstreits und politischer Unsicherheiten eingetrübten konjunkturellen Aussichten. So wurden die Prognosen für das Bruttoinlandprodukt und die Inflation gesenkt (siehe Grafik).
 
Mit dieser Einschätzung sind die EZB-Ökonomen nicht allein. Auch die OECD hat ihre Prognosen zusammengestrichen (siehe Text "Im Fokus").
 
Zudem wird die EZB dem angeschlagenen Bankensektor ab September neue Geldspritzen verabreichen. Der Grund: Die Währungshüter hatten befürchtet, dass die Banken ihre Kreditvergabe wegen der Wachstumsverlangsamung drosseln könnten, was die Wirtschaft zusätzlich bremsen würde. Auch kann mit dieser Massnahme der Liquiditätsbedarf insbesondere südeuropäischer Banken gedeckt werden, der sich durch das Auslaufen älterer Langfristkredite und durch bilanzrechtliche Vergaben ergibt.
 
Fazit: Aufgrund der schwächeren Konjunkturdaten Europas war von einer vorsichtigeren Haltung der EZB auszugehen. Die aktuellen Prognosen sowie die vorgestellten Massnahmen und die Rhetorik sind jedoch überraschend "dovish". Die EZB sieht sich gezwungen, den Normalisierungskurs weiter hinauszuzögern.

Im Fokus

US-Handelsdefizit auf Zehnjahreshoch: Die Verringerung des US-Handelsbilanzdefizits gilt als eines der wichtigsten politischen Ziele von US-Präsident Donald Trump. Vor diesem Hintergrund ist der Handelsstreit mit China, Japan und der Eurozone zu sehen. Doch bislang ist Trump dabei offensichtlich nicht sehr erfolgreich. Im Gegenteil: Der Fehlbetrag in der Handelsbilanz ist auf den höchsten Stand seit über zehn Jahren gestiegen, wie die Daten des US-Handelsministeriums zeigen. Verschiedene Ökonomen führen das chronische US-Handelsdefizit auf einen beständig hohen Konsum und eine geringe Ersparnisbildung in den USA zurück.
 
OECD streicht Wachstumsprognose für Eurozone zusammen: In der Eurozone hat sich die Konjunktur nach Einschätzung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) deutlich abgekühlt. In ihrem jüngsten Konjunkturbericht erwarten die OECD-Ökonomen nur noch ein Wachstum der Wirtschaftsleistung (BIP) um 1,0 Prozent. Bei der vorherigen Prognose im November war noch ein deutlich stärkeres Wachstum von 1,8 Prozent veranschlagt worden. Am stärksten senkte die OECD ihre BIP-Prognosen für Italien (auf -0,2 vs. 1,3 Prozent im November) und Deutschland (0,7 vs. 1,6 Prozent). Begründet werden die trüberen Aussichten für den Währungsraum insgesamt unter anderem mit dem schwelenden Handelskonflikt und den hohen politischen Unsicherheiten wie dem Brexit.
 
Wirtschaft in Griechenland und Italien schrumpft: Die griechische Wirtschaft ist Ende 2018 im Gleichschritt mit jener in Italien geschrumpft. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) verringerte sich zwischen Oktober und Dezember um 0,1 Prozent. Damit beendete das Land eine neun Quartale währende Wachstumsphase, wie das Statistikamt in Athen mitteilte. Auch Italiens Wirtschaftsleistung war Ende 2018 im selben Umfang geschrumpft. Beide Länder gehören zu den am höchsten verschuldeten der Euro-Zone: Italien ächzt unter Verbindlichkeiten in Höhe von mehr als 130 Prozent, Hellas von fast 180 Prozent des BIP.

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