Newsletter vom 13. Juni 2018

Die aktuelle Lage

In der Schweiz haben sich die Produzenten- und Importpreise im Mai gegenläufig entwickelt. Während der Index für die Produzentenpreise laut Bundesamt für Statistik vor allem aufgrund tieferer Preise für pharmazeutischer Spezialitäten um 0,3 Prozent nachgab, legte der entsprechende Index für die Importpreise insbesondere wegen höherer Kosten für Mineralölprodukte, Erdöl und Erdgas um 1,2 Prozent zu.

In den USA ist die Inflation weiter auf dem Vormarsch und hat den höchsten Wert seit mehr als sechs Jahren erreicht. Konkret stieg die Jahresinflationsrate im Mai gemäss US-Arbeitsministerium auf 2,8 Prozent von 2,5 Prozent im April. Das ist mehr als Experten im Vorfeld erwartet hatten. Die US-Währungshüter achten bei der Inflation allerdings primär auf Preisveränderungen bei persönlichen Verbrauchsausgaben (PCE-Index), bei denen die schwankungsanfälligen Energie- und Nahrungsmittelpreise nicht mit einfliessen. Hier lag die Steigerungsrate zuletzt mit 1,8 Prozent nur knapp unter dem Ziel der Fed von 2,0 Prozent.

In der Eurozone haben die Industriebetriebe im April weniger produziert. Im Monatsvergleich sank die Produktion um 0,9 Prozent und damit etwas deutlicher als von Analysten erwartet. Unter den grössten Volkswirtschaften verzeichnete Italien mit -1,2 Prozent den stärksten Rückgang, gefolgt von Deutschland (-1,0 Prozent) und Frankreich (-0,5 Prozent).

In Deutschland ist der vielbeachtete ZEW-Indikator auf den tiefsten Stand seit 2012 gefallen. Der Index misst unter anderem die Konjunkturerwartungen der Finanzexperten. Als Gründe für den Rückgang führt das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung ZEW die politische Lage in Italien und den von den USA ausgehenden Handelsstreit an.

Fed und EZB stehen vor heiklen Aufgaben

Die Differenz zwischen 10-jährigen Staatsanleihen der USA und Deutschlands ist in den letzten Monaten weiter gestiegen.

Quelle: Bloomberg, Daten per 11.06.18

Renditedifferenz gestiegen

Die Differenz zwischen 10-jährigen Staatsanleihen der USA und Deutschlands ist in den letzten Monaten weiter gestiegen.

Quelle: Bloomberg, Daten per 11.06.18

Diese Woche steht ganz im Zeichen der Notenbanksitzungen von Fed und EZB. Dabei gilt es als ausgemachte Sache, dass die US-Notenbank am Mittwochabend (Schweizer Zeit) das Zielband für die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 bis 2,00 Prozent erhöhen wird. Seit Beginn der US-Zinswende Ende 2015 wurden die Leitzinsen bislang sechsmal erhöht, zuletzt im März.

Das Augenmerk der Investoren wird in erster Linie darauf gerichtet sein, ob die US-Notenbanker die Wirkung der Importzölle in ihre Beurteilung der Lage einfliessen lassen. Mit grosser Spannung werden zudem mögliche Signale zum Tempo der weiteren Zinserhöhungen erwartet.

Die EZB wird am Donnerstag ihre geldpolitischen Beschlüsse bekanntgeben. Von einer Zinserhöhung ist man hier noch weit entfernt. Erst muss das QE-Programm mit den Anleihenkäufen eingestellt werden. Hier verlangen Marktteilnehmer Klarheit über den Fahrplan. EZB-Chef Mario Draghi hatte angekündigt, dass das Programm bis mindestens Ende September läuft. Doch nun müssen die Währungshüter die Auswirkungen einer populistischen Politik in Italien auf den Euroraum abschätzen. Zugleich bewegte sich die Inflation zuletzt rasch in Richtung EZB-Ziel von "knapp unter 2 Prozent".

Dass sich die beiden Notenbanken in unterschiedlichen Stadien der Geldpolitik befinden, lässt sich an der Zinsdifferenz zwischen den Währungsräumen ablesen, die sich seit vielen Monaten vergrössert (siehe Grafik). Während die USA bereits die Zügel strafft, ist die EZB noch im Expansionsmodus.

Der G7-Gipfel hat deutlich gemacht, wie weit die USA und ihre Partner in vielen Fragen auseinander liegen. Das Risiko eines Handelskrieges ist nach dem Gipfel nicht kleiner geworden.

Ausblick

Bitcoin: Die Kurse von Kryptowährungen waren zum Wochenstart nach einem Hackerangriff auf einen Handelsplatz in Seoul stark unter Druck geraten. Der Bitcoin – die weltweit bekannteste dieser Digitalwährungen – verlor mehr als 10 Prozent und rutschte unter die Marke von 7000 Dollar. Damit weiteten sich die Verluste der Vorwoche deutlich aus. Seit Jahresbeginn sackte der Bitcoin-Kurs um mehr als 50 Prozent ab. Kryptoexperten zufolge stand der Umfang des Kurseinbruchs jedoch in keinem Verhältnis zum Gewicht des Handelsplatzes.

Handelskonflikt: Der Chef der Welthandelsorganisation WTO, Robert Azevedo, zeigt sich besorgt über den von den USA losgetretenen Handelskonflikt. "Wenn es zu einer Eskalation im Handelsstreit kommt, droht ein weltweiter Abschwung", wird er im deutschen Handelsblatt zitiert. "Und wir sehen bereits Anzeichen, dass dieser Abwärtsprozess begonnen hat." Bei Investitionen und Einkaufsverhalten der Unternehmen gebe es bereits Zurückhaltung.

IWF-Hilfe: Der Internationale Währungsfonds (IWF) unterstützt Argentinien mit einer Finanzhilfe von bis zu 50 Milliarden Dollar. Die zweitgrösste Volkswirtschaft Südamerikas hatte um Hilfe gebeten, nachdem wirtschaftliche Probleme, eine hohe Inflation und jüngst eine Währungskrise den Handlungsspielraum der Regierung Macri stark einschränkten. Der IWF gilt in der argentinischen Bevölkerung als umstritten, wird er doch mit seinen Reform- und Sparauflagen massgeblich für die Wirtschaftskrise 2001 verantwortlich gemacht.

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