Newsletter vom 12. September 2018

Die aktuelle Lage

Die Schweizer Konjunktur entwickelt sich weiterhin relativ dynamisch. Das Staatssekretariat für Wirtschaft hat für das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal ein Anstieg um 0,7 Prozent ermittelt. Der bedeutendste Wachstumsimpuls kam vom verarbeitenden Gewerbe (+1,5 Prozent). Die Wachstumsrate für das erste Quartal wurde derweil auf 1,0 von zuvor 0,6 Prozent nach oben korrigiert. In dieser Sichtweise hat die Wirtschaftsdynamik im zweiten Quartal etwas nachgelassen. Die Arbeitslosenquote verharrte unterdessen im August den vierten Monat in Folge auf dem Zehnjahrestief von 2,4 Prozent.
 
Die deutsche Industrie und Exportwirtschaft haben im Juli einen Rückschlag hinnehmen müssen. Wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, ging die Produktion im verarbeitenden Gewerbe (-1,1 Prozent) entgegen den Erwartungen den zweiten Monat in Folge zurück. Die Ausfuhren schrumpften – ebenfalls völlig unerwartet – um 0,9 Prozent.
 
In der Eurozone hat sich die Anlegerstimmung im September etwas eingetrübt. Der vom Analysehaus Sentix erhobene Konjunkturindikator ging zum Vormonat um 2,7 Punkte auf 12,0 Zähler zurück. Hierfür werden in erster Linie die Turbulenzen in den Schwellenländern verantwortlich gemacht. In den beiden Vormonaten hatte der Indikator zugelegt.
 
Die japanische Wirtschaft entwickelt sich viel dynamischer als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um 3 Prozent zu. Die Regierung korrigierte damit den zunächst ermittelten Wert von 1,9 Prozent kräftig nach oben. Der Grund: Die Investitionen der Unternehmen in Maschinen und Anlagen vielen stärker aus als bislang veranschlagt. Für Schwung sorgen hier Aufträge für die 2020 in Tokio stattfindenden Olympischen Spiele.
 
In China haben die Konsumentenpreise im August im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent angezogen. Damit hat sich der Preisanstieg im Vergleich zu Juli (2,1 Prozent) zwar beschleunigt. Das Ziel von 3 Prozent ist aber noch nicht in Sichtweite. Das dürfte jedoch keine grosse Überraschung sein, denn der Fokus der Regierung liegt derzeit vor allem beim Schuldenabbau bei den Grosskonzernen.

US-Arbeitsmarkt brummt

Aufgrund einer höheren Arbeitsproduktivität steigen die Stundenlöhne kaum.

Quelle: Bureau of Labor Statistics

Produktivität und Stundenlöhne

Aufgrund einer höheren Arbeitsproduktivität steigen die Stundenlöhne kaum.

Quelle: Bureau of Labor Statistics
Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich auch im August in robuster Verfassung. Ausserhalb der Landwirtschaft kamen 201‘000 neue Stellen hinzu, wie das US-Arbeitsministerium mitteilte. Damit wurden die Erwartungen von Analysten übertroffen. Die Arbeitslosenquote verharrte bei tiefen 3,9 Prozent.
 
In den vergangenen Jahren stellten Werte von über 200‘000 neuen Jobs pro Monat die Normalität dar. Doch muss man bedenken, dass sich die US-Wirtschaft in dieser Zeit aus einer Krise herausarbeitete. Bei der aktuellen Arbeitslosenquote von unter 4 Prozent und einer seit 2014 stabilen Partizipationsrate werden neue Stellen nicht mehr so einfach zu besetzen sein bzw. dürfte der Stellenaufbau künftig geringer ausfallen.
 
Das knappe Angebot an Arbeitskräften führt tendenziell zu steigenden Preisen – sprich Löhnen. Doch bislang tut sich hier noch nicht viel, auch wenn die Stundenlöhne im August im Vergleich zu Juli um 0,4 Prozent angestiegen sind.
 
Die Löhne können aktuell durch eine gesteigerte Arbeitsproduktivität aufgefangen werden (siehe Grafik). Deswegen bleiben die Lohnstückkosten relativ stabil und sind im August sogar leicht gesunken. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität wird in erster Linie durch die bessere Auslastung von anderen Produktionsfaktoren möglich.
 
Unser Fazit: Der Arbeitsmarkt in den USA präsentiert sich zurzeit nahezu optimal. Die Arbeitslosenquote ist historisch niedrig, die Partizipationsrate noch steigerungsfähig und die Lohnstückkosten steigen dank der besseren Auslastung der Produktionskapazitäten (noch) nicht stark an. Allerdings wird dieser Zustand nicht für immer wären: Die jüngsten Wirtschaftsstimuli (Steuersenkungen) treffen auf eine Volkswirtschaft, welche bereits gut ausgelastet ist und sich im Bereich der Vollbeschäftigung befindet.

Im Fokus

EZB-Sitzung: Am morgigen Donnerstag gibt die Europäische Zentralbank (EZB) im Anschluss an die Zinssitzung ein Update über den Verlauf der Geldpolitik. Das Überraschungspotenzial hält sich in Grenzen, Änderungen am Zinsfahrplan werden nicht erwartet. Nachdem sich zuletzt einige Wirtschaftsindikatoren abgeschwächt hatten, dürfte von Interesse sein, wie EZB-Chef Mario Draghi die Lage beurteilt.
 
Länger im Amt: Der Chef der britischen Notenbank, Mark Carney, bleibt wegen des ungewissen Fortgangs der Brexit-Verhandlungen etwas länger im Amt als geplant – bis Januar 2020. Das hat das britische Finanzministerium angekündigt, nachdem es bereits seit längerem Spekulationen in diese Richtung gegeben hatte. Carney, der an den Finanzmärkten eine hohe Integrität geniesst, hatte seine Amtszeit bereits nach dem Brexit-Referendum um ein Jahr bis Mitte 2019 verlängert.

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