Newsletter vom 11. Juli 2018

Die aktuelle Lage

In der Schweiz hat die Inflation leicht angezogen. Wie das Bundesamt für Statistik mitteilte, stieg die Jahresteuerung im Juni auf 1,1 Prozent von 1,0 Prozent im Mai. Die Arbeitslosenquote verharrte derweil bei tiefen 2,4 Prozent.
 
Für die deutsche Konjunktur verdichten sich die Hinweise auf eine nachlassende Dynamik. Die vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung gemessenen Konjunkturerwartungen unter deutschen Finanzexperten sind im Juli unerwartet stark und auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren gefallen. Vor allem die Sorge um einen Handelskrieg verschlechterte das Sentiment. Unterdessen erholte sich die Anlegerstimmung in der Eurozone von der zuletzt deutlichen Abschwächung, wie das Marktforschungsinstitut Sentix bekannt gab.
 
Die französische Industrieproduktion ist im Mai überraschend erneut gesunken. Im Vergleich zum Vormonat schrumpfte sie um 0,2 Prozent, wie das Statistikamt Insee mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit einem deutlichen Anstieg gerechnet. In Deutschland hingegen hatten die Daten aus der Industrie in der vergangenen Woche positiv überrascht. Die Daten für die gesamte Eurozone werden am Donnerstag publiziert.
 
In den USA ist die Arbeitslosenquote zwar leicht gestiegen, die Lohnentwicklung zeigt aber trotz einer robusten Beschäftigungsdynamik keinen Ausbruch nach oben. Unter den Marktteilnehmern wurden die Daten insgesamt als positiv gewertet, lässt dies doch vermuten, dass sich die US-Notenbank mit Zinserhöhungen nicht allzu sehr beeilen dürfte.
 
In China bleibt die Inflation vergleichsweise schwach. Laut nationalem Statistikamt legten die Konsumentenpreise im Juni auf Jahressicht um 1,9 Prozent zu. Die chinesische Regierung peilt in diesem Jahr bekanntlich einen Wert um drei Prozent an.

Handelsstreit zwischen USA und China eskaliert

Bislang wurden Importe aus China im Volumen von 45 Milliarden US-Dollar von den USA mit Sonderabgaben belegt. Und ein Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht.

Quelle: FuW, Marketwatch

Noch ist das Volumen der mit Sonderabgaben belegten Importe aus China überschaubar

Bislang wurden Importe aus China im Volumen von 45 Milliarden US-Dollar von den USA mit Sonderabgaben belegt. Und ein Ende der Fahnenstange scheint noch nicht erreicht.

Quelle: FuW, Marketwatch
Die USA setzen auf eine weitere Eskalation des Handelskonflikts mit China. Wurde bislang bereits knapp ein Zehntel des gesamten Importvolumens aus China mit Sonderabgaben belegt (siehe Grafik), legte Donald Trump nun eine Liste mit weiteren Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar vor, auf die neue Zölle erhoben werden können.
 
Vorgesehen sind offenbar Zusatzzölle von 10 Prozent, die Anfang September in Kraft treten, falls sich keine Lösung für den Handelsstreit findet. Kommt es zu keiner Einigung, wäre rund die Hälfte aller chinesischen Ausfuhren in die USA von Sonderabgaben betroffen.
 
Auch die chinesische Regierung sendet keine Entspannungssignale. Sie sei "geschockt" über die geplanten Massnahmen und kündigte für den Fall des Inkrafttretens "notwendige Gegenmassnahmen" an.
 
Sollte es tatsächlich dazu kommen, dürfte dies einen erheblichen Einfluss auf die Weltwirtschaft haben. Entsprechend nervös reagieren die Anleger: Zur Wochenmitte liess die neuerliche Zuspitzung des Handelsstreits an den wichtigsten Aktienmärkten Asiens die Kurse purzeln. Und auch in Europa fallen die entsprechenden Indizes zurück.

Im Fokus

Unternehmensergebnisse: Die langsam Fahrt aufnehmende Berichtssaison zum zweiten Quartal rückt in den Fokus der Anleger. Die Gewinnerwartungen der Analysten sind relativ hoch. Kommt es hier zu keiner Enttäuschung, könnte dies den Aktienmärkten weiteren Schub verleihen, nachdem sie sich bereits im zweiten Quartal von den teils ausgeprägten Verlusten im ersten Jahresviertel etwas erholen konnten. Am Donnerstag tritt mit dem Vermögensverwalter Partners Group der erste Schweizer Blue Chip zum Zahlenrapport an.
 
Brexit: Die europäische Politik kommt nicht zur Ruhe. Nach der Regierungskrise in Italien droht nun in Grossbritannien Ungemach. Die Position von Premierministerin Theresa May ist nach dem Rücktritt von Brexit-Minister David Day und Aussenminister Boris Johnson stark geschwächt. May hatte ihrem Kabinett einen moderateren Brexit-Kurs verordnet. Die Brexit-Hardliner, zu denen Day und Johnson gehören, befürchten eine Verwässerung ihrer Anliegen.
 
Geldpolitik: Der türkische Präsident Recep Erdogan hat nach seiner Wiederwahl seinen Einfluss auf die Notenbank des Landes verstärkt. Neu kann er deren Präsidenten und Vizepräsidenten ernennen. Zudem hat er die Amtszeit der beiden Spitzennotenbanker von fünf auf vier Jahre verkürzt. Erdogan hatte im Wahlkampf angekündigt, die Geldpolitik künftig stärker beeinflussen zu wollen. Dies hatte den Kurszerfall der türkischen Lira beschleunigt.

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