Newsletter vom 10. Oktober 2018

Die aktuelle Lage

In der Schweiz sind die Konsumentenpreise im September leicht gestiegen. Das Preisniveau nahm gemäss Bundesamt für Statistik im Vergleich zum August um 0,1 Prozent zu. Dabei verteuerten sich die Importgüter um 0,5 Prozent, während sich die Inlandgüter um 0,1 Prozent verbilligten. Innert Jahresfrist betrug die Teuerung 1,0 Prozent. Hier stieg der Index für Importgüter um 2,4 Prozent, jener für Inlandgüter lediglich um 0,5 Prozent. Unterdessen verharrte die Arbeitslosenquote bei 2,4 Prozent und lag damit den fünften Monat in Folge auf einem Zehnjahrestief.
 
Die Industrieproduktion in Deutschland ist im August überraschend gesunken. Im Monatsvergleich resultierte eine Abnahme um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ausserdem fiel der Produktionsdämpfer im Vormonat mit -1,3 Prozent stärker aus als bislang angenommen. Demgegenüber erhielten die deutschen Industriebetriebe deutlich mehr Aufträge als in den Vormonaten.
 
Die eurokritische Regierung in Italien hat ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum gesenkt. Neu wird mit einem Plus von noch 1,2 Prozent gerechnet nach bislang veranschlagten 1,5 Prozent.
 
Im Euroraum hat sich die Anlegerstimmung im Oktober erneut eingetrübt. Der vom Analysehaus Sentix erhobene Indikator bildete sich im Vergleich zum Vormonat um 0,6 auf 11,4 Punkte zurück. Als Gründe für den zweiten Rücksetzer in Folge werden die Diskussion um die Autobranche in Deutschland und die Unsicherheiten über den künftigen fiskalpolitischen Kurs der italienischen Regierung angeführt.
 
In den USA zeigt der am vergangenen Freitag veröffentlichte Arbeitsmarktbericht kein einheitliches Bild. Die Arbeitslosigkeit fiel zwar auf den niedrigsten Stand seit fast einem halben Jahrhundert. Allerdings entwickelte sich das Beschäftigungswachstum schwächer als erwartet, was möglicherweise auf Auswirkungen des schweren Hurrikans "Florence" zurückzuführen ist.

Renditeanstieg in USA sorgt für Verunsicherung

Die Verfallrendite der US-Staatsanleihen mit Laufzeit von zehn Jahren ist so hoch wie zuletzt vor sieben Jahren.

Quelle: Bloomberg

Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen im Steigflug

Die Verfallrendite der US-Staatsanleihen mit Laufzeit von zehn Jahren ist so hoch wie zuletzt vor sieben Jahren.

Quelle: Bloomberg
Das beherrschende Thema an den Finanzmärkten ist zurzeit der relativ rasche Renditeanstieg bei den US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit. Diese Entwicklung ist wegen der grossen Relevanz der USA für die globale Konjunktur und das Finanzsystem von grosser Bedeutung.
 
Am gestrigen Dienstag hatte die Verfallrendite für die 10-jährigen Treasuries, wie die US-Staatsanleihen auch genannt werden, zwischenzeitlich mit 3,26 Prozent das höchste Niveau seit 2011 erklommen (siehe Grafik). Noch Mitte September notierten die Treasuries unter der 3-Prozent-Marke. An den Bondmärkten ist das eine starke Bewegung.
 
Als Auslöser gelten Aussagen von US-Notenbankchef Jerome Powell. Dieser hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass die Notenbank im aktuellen Zinserhöhungszyklus über den sogenannten neutralen Zins hinausgehen könnte. Damit ist jenes Zinsniveau gemeint, auf welchem der Leitzins weder stimulierend noch bremsend für die Wirtschaft ist.
 
Zahlreiche Investoren waren bislang davon ausgegangen, dass die Notenbank ihren Straffungskurs im Laufe des kommenden Jahres beenden wird, weil dann das neutrale Niveau erreicht sein dürfte. Powell hatte also Spekulationen ausgelöst, denen zufolge die Leitzinsen in den USA womöglich stärker steigen könnten als bislang an den Finanzmärkten erwartet.
 
Die US-Aktienmärkte büssten in der Folge auf Wochensicht relativ deutlich an Terrain ein, was auch die Investoren in Europa etwas verunsicherte. Steigende Zinsen verteuern Firmenkredite und machen Aktien im Vergleich zu den als sicher geltenden Staatsanleihen weniger attraktiv.
 
Der Rücksetzer an den US-Börsen erfolgte von einem sehr hohen Niveau aus. Im bisherigen Jahresverlauf hatten sich US-Aktien vergleichsweise sehr stark entwickelt.

Im Fokus

Weltwirtschaft wächst weniger dynamisch: Der Internationale Währungsfonds IWF hat seine Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft etwas verringert. Das Wachstum gehe zwar mit 3,7 Prozent im laufenden und dem kommenden Jahr auf vergleichsweise hohem Niveau weiter, nehme aber nicht mehr wie eigentlich erwartet an Tempo zu, sagte der scheidende IWF-Chefvolkswirt Maurice Obstfeld bei der Vorstellung des Weltwirtschaftsberichts. Im April wurde noch ein Wachstum von 3,9 Prozent veranschlagt. Obstfeld verwies auf den Handelskonflikt und die hohe Schuldenlast vieler Staaten. Die Wahrscheinlichkeit weiterer "negativer Schocks" für diese Wachstumsprognose sei gestiegen.
 
US-Handelsdefizit gestiegen: Die USA führen weiterhin mehr Waren ein, als sie ins Ausland exportieren. Das Defizit in der US-Handelsbilanz ist im August sogar noch deutlich gestiegen und auf dem höchsten Stand seit sechs Monaten zu liegen gekommen, wie das US-Handelsministerium mitteilte. Die Ausweitung des Defizits lässt sich insbesondere auf einen besonders starken Exporteinbruch bei Sojabohnen zurückführen. China – einer der wichtigsten Abnehmer von US-Sojabohnen – hatte als Reaktion auf die US-Sonderzölle den Soja-Import verteuert. US-Präsident Trump hat sich auf die Fahnen geschrieben, das Handelsdefizit zu verringern.
 
Kreditvergabe in China gelockert: Die chinesische Regierung greift der heimischen Wirtschaft und dem Finanzsystem mit einer erneuten Lockerung der Kapitalanforderungen an einige Banken unter die Arme. Mit einem solchen Schritt sollen kleinere und mittelgrosse Unternehmen unterstützt und die Liquidität im Bankensektor erhöht werden. Die Zentralbank hatte die sogenannten Reserveanforderungen zuletzt bereits mehrfach reduziert.

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